heike-siegmund.de https://www.heike-siegmund.de/blog/ Sat, 04 Jul 2026 09:26:52 +0000 de-DE hourly 1 Warum ich mich für Ringana entschieden habe https://www.heike-siegmund.de/blog/adhs-ringana-network-marketing/ https://www.heike-siegmund.de/blog/adhs-ringana-network-marketing/#comments Mon, 22 Jun 2026 22:07:00 +0000 Rund um Network Marketing Ringana Erfahrungen Ringana Neurodermitis Ringana Hautpflege Ringana Network Marketing Ringana Test Naturkosmetik Neurodermitis Ringana DEA Drink Ringana Cleansing https://www.heike-siegmund.de/blog/adhs-ringana-network-marketing/ Weiterlesen

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Wenn man mich vor einigen Jahren gefragt hätte, ob ich einmal über Naturkosmetik schreiben oder sogar Partnerin eines Unternehmens werden würde, hätte ich vermutlich gelacht.

Nicht, weil ich grundsätzlich etwas dagegen hatte. Sondern weil ich eigentlich nur eines wollte: Produkte finden, die meine Haut in Ruhe lassen.

Transparenzhinweis: Ich bin Ringana-Partnerin und verlinke in diesem Beitrag meinen persönlichen Shop. Wenn du darüber bestellst, kann ich eine Provision erhalten. Meine Erfahrungen und Einschätzungen sind trotzdem meine ehrliche, persönliche Meinung.

Meine Haut und ich – eine lange Geschichte

Meine Haut war schon immer etwas Besonderes. Oder sagen wir lieber: besonders anspruchsvoll.

Bereits als Kind hatte ich immer wieder Ekzeme. Später bekam das Ganze dann einen Namen: Neurodermitis.

Wer ebenfalls betroffen ist, kennt das wahrscheinlich. Man findet endlich ein Produkt, das die Haut akzeptiert. Die Haut beruhigt sich. Man freut sich. Und dann passiert etwas, das ich gefühlt mein ganzes Leben lang erlebt habe: Das Produkt verschwindet vom Markt. Oder die Rezeptur wird verändert. Oder es wird aus dem Sortiment genommen.

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich wieder von vorne anfangen musste.

Ringana hatte ich eigentlich schon längst entdeckt

Tatsächlich war Ringana nicht neu für mich. Ich hatte die Marke schon viele Jahre zuvor wahrgenommen.

Allerdings wusste ich auch, dass Ringana über Network Marketing vertrieben wird. Und ganz ehrlich: Deshalb habe ich mich damals nicht weiter damit beschäftigt. Ich hatte keine Vorurteile, aber auch kein besonderes Interesse. Also habe ich das Thema wieder zur Seite gelegt.

Dann kam ein besonders schlimmer Neurodermitis-Schub

Irgendwann steckte ich wieder einmal in einer Phase, in der meine Haut besonders empfindlich war. Wer Neurodermitis hat, weiß, wie belastend das sein kann. Die Haut spannt. Sie juckt. Sie reagiert auf alles.

Und genau in dieser Zeit begegnete mir Ringana plötzlich immer häufiger. Werbung hier. Ein Beitrag dort. Ein Erfahrungsbericht. Irgendwann dachte ich: „Okay. Jetzt probierst du das einfach aus."

Warum ich direkt Partnerin geworden bin

Das klingt vielleicht etwas ungewöhnlich. Aber ich habe mich tatsächlich direkt als Partnerin angemeldet.

Der Grund war ganz einfach: Es gab damals ein Promotionpaket, das mich sofort angesprochen hat. Und preislich war es deutlich attraktiver, als die einzelnen Produkte separat zu kaufen.

Das war letztlich eine ganz pragmatische Entscheidung. Ich wollte die Produkte testen und bekam über das Paket deutlich mehr für mein Geld.

Vorher habe ich sehr viel recherchiert

Bevor ich etwas Neues kaufe, recherchiere ich meistens gründlich. Sehr gründlich. Vielleicht sogar etwas zu gründlich.

Deshalb hatte ich mir bereits viele andere Hersteller angesehen: Naturkosmetik, Dermokosmetik, Luxuskosmetik, Apothekenprodukte. Und dabei fiel mir etwas auf: Gute Hautpflege ist häufig deutlich teurer, als viele Menschen vermuten.

Im Vergleich dazu empfinde ich Ringana eher als Anbieter im unteren bis mittleren Preissegment. Natürlich ist das keine klassische Drogeriekosmetik. Aber im Vergleich zu vielen hochwertigen Natur- und Premium-Marken fand ich die Preise durchaus nachvollziehbar.

Der wichtigste Punkt: Meine Haut mag die Produkte

Am Ende ist für mich aber nur eine Frage entscheidend: Wie reagiert meine Haut?

Und hier hat Ringana mich tatsächlich überzeugt. Meine Haut ist seitdem deutlich entspannter. Die Neurodermitis-Schübe sind seltener geworden. Und wenn sie auftreten, habe ich persönlich den Eindruck, dass sie oft kürzer verlaufen.

Ob das ausschließlich an Ringana liegt? Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, und das möchte ich auch gar nicht behaupten. Neurodermitis hat viele Einflussfaktoren, und meine Erfahrung ist eine individuelle, keine allgemeingültige.

Was ich sagen kann: Seit ich die Produkte verwende, geht es meiner Haut insgesamt besser. Und immer dann, wenn ich nachlässig werde oder mich wieder von hübschen Produkten aus der Drogerie verführen lasse, meldet sich meine Haut meist sehr schnell zurück.

Man könnte auch sagen: Sie erinnert mich sehr deutlich daran, was sie mag – und was nicht.

Ringana ist für mich ein bisschen wie Apple

Dieser Vergleich ist mir irgendwann selbst eingefallen.

Natürlich gibt es günstigere Alternativen. Genau wie bei Apple. Aber für mich geht es nicht nur um die reine Funktion. Es geht auch um das Gesamtgefühl.

Die Produkte passen optisch zusammen. Die Verpackungen wirken durchdacht. Die Anwendung macht Freude. Es fühlt sich stimmig an.

Und manchmal sind genau solche Kleinigkeiten wichtiger, als man denkt.

Ringana ist ein Gefühl

Das lässt sich schwer erklären. Entweder man versteht sofort, was ich meine. Oder eben nicht.

Für mich ist Ringana mehr als nur Hautpflege. Es ist ein bestimmtes Gefühl. Ein bestimmter Vibe. Man freut sich auf die Produkte. Man gönnt sie sich bewusst.

Und genau deshalb würde ich niemals versuchen, jemanden zu überreden.

Nicht jeder muss Ringana lieben

Ich glaube nicht, dass es die perfekte Marke für alle Menschen gibt. Und das ist völlig in Ordnung.

Deshalb würde ich niemandem die Produkte aufdrängen. Was ich allerdings immer empfehlen würde: Probier es aus. Mach deine eigenen Erfahrungen. Und wenn der Funke nicht überspringt, dann ist das genauso okay.

Mittlerweile habe ich noch weitere Lieblingsprodukte

Angefangen hat alles mit der Hautpflege. Inzwischen gibt es jedoch weitere Produkte, auf die ich nur ungern verzichten würde. Besonders gerne nutze ich den DEA Drink und das Cleansing. Beide gehören inzwischen fest zu meinem Alltag.

Es gibt auch Produkte, die mich nicht überzeugt haben

Und genau deshalb schreibe ich diesen Beitrag. Nicht alles gefällt mir automatisch. Nicht jedes Produkt ist mein persönlicher Volltreffer.

Der Tinted Moisturiser zum Beispiel konnte mich nicht überzeugen. Das bedeutet nicht, dass er schlecht ist. Er passt einfach nicht zu mir.

Und genau solche Erfahrungen werde ich hier auf dem Blog ebenfalls teilen. Denn ehrliche Erfahrungen sind aus meiner Sicht deutlich hilfreicher als reine Begeisterung.

Warum ich heute hinter Ringana stehe

Heute nutze ich die Produkte nicht nur selbst, sondern empfehle sie auch weiter. Nicht, weil ich das Gefühl habe, es tun zu müssen. Sondern weil ich persönlich gute Erfahrungen gemacht habe.

Spannend finde ich dabei eine Erkenntnis, die erst viel später kam: Rückblickend glaube ich, dass ich Ringana unbewusst auch deshalb ausgewählt habe, weil vieles daran sehr gut zu mir passt. Und möglicherweise sogar zu meinem ADHS.

Das ist allerdings eine persönliche Vermutung, kein nachgewiesener Zusammenhang. Darüber werde ich in zukünftigen Beiträgen noch ausführlicher schreiben. Denn je mehr ich über mich selbst lerne, desto mehr verstehe ich auch meine Entscheidungen.

Hast du Fragen?

Wenn du Fragen zu Ringana, einzelnen Produkten oder auch zum Thema Network Marketing hast, kannst du mir jederzeit schreiben.

Ich beantworte gerne alle Fragen, die ich beantworten kann, ehrlich und aus meiner persönlichen Erfahrung heraus.

E-Mail: an@heike-siegmund.de

Wenn du Ringana selbst ausprobieren möchtest

Wenn du direkt stöbern oder bestellen möchtest, findest du meinen Ringana-Shop hier:

https://heikesiegmund.ringana.com

(Werbe-/Affiliate-Link – siehe Transparenzhinweis oben)

Vielleicht springt der Funke über. Vielleicht auch nicht. Beides ist völlig in Ordnung.

Denn am Ende geht es nicht darum, was ich gut finde. Sondern darum, was zu dir passt.

Bis denndann

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Und was Network Marketing und Affiliate Marketing damit zu tun haben

Manchmal frage ich mich, wie oft ich in meinem Leben versucht habe, in ein System zu passen, das eigentlich nie wirklich zu mir gepasst hat.

Feste Arbeitszeiten. Starre Strukturen. Immer gleiche Abläufe. Jeden Tag zur gleichen Zeit produktiv sein.

Heute weiß ich, dass viele meiner Schwierigkeiten nicht einfach mangelnde Disziplin waren. Mein Gehirn funktioniert einfach anders. Und je mehr ich darüber lerne, desto mehr verstehe ich, warum mich bestimmte Formen der Selbstständigkeit schon immer angezogen haben.

Besonders Network Marketing und Affiliate Marketing. Nicht, weil sie einfach sind. Sondern weil sie mir etwas ermöglichen, das für mich unglaublich wichtig geworden ist: Freiheit.

Ein Hinweis vorab: Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Erfahrung wider. Selbstständigkeit ist nicht automatisch die bessere Wahl für Menschen mit ADHS – manche profitieren gerade von klaren äußeren Strukturen. Es geht hier um meinen Weg, nicht um eine allgemeine Empfehlung.

Nicht jede Frau arbeitet gleich

Die meisten von uns wachsen mit einer klaren Vorstellung auf: Man macht eine Ausbildung oder ein Studium, sucht sich einen Job, arbeitet feste Stunden, funktioniert.

Für viele Menschen passt das wunderbar. Für andere weniger.

Manche Frauen stellen irgendwann fest, dass sie zwar arbeiten möchten, aber nicht unbedingt unter Bedingungen, die ihnen dauerhaft Energie rauben. Sie wünschen sich mehr Flexibilität, mehr Eigenverantwortung, mehr Raum für Kreativität, mehr Möglichkeiten, ihre Stärken einzubringen.

Genau hier kann Selbstständigkeit interessant werden.

Warum Selbstständigkeit oft besser zu kreativen Köpfen passt

Viele Frauen sind voller Ideen. Sie denken vernetzt, erkennen Zusammenhänge, begeistern sich für neue Themen und entwickeln ständig neue Projekte.

Natürlich kann das manchmal herausfordernd sein. Gleichzeitig steckt darin aber auch enormes Potenzial.

Selbstständigkeit bietet die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen und Arbeitsabläufe an die eigene Persönlichkeit anzupassen – anstatt sich ständig an ein fremdes System anzupassen.

Der große Vorteil: Arbeiten nach den eigenen Regeln

Einer der größten Vorteile der Selbstständigkeit ist für mich die Möglichkeit, meine Arbeit an mein Leben anzupassen. Nicht umgekehrt.

Manche Menschen arbeiten morgens am besten, andere abends. Manche brauchen viele Pausen, andere arbeiten lieber in längeren Konzentrationsphasen.

Selbstständigkeit erlaubt oft deutlich mehr Flexibilität als klassische Arbeitsmodelle. Das bedeutet nicht, dass man weniger arbeitet. Aber man kann häufig selbst entscheiden, wann und wie man arbeitet.

Warum Leidenschaft so wichtig ist

Aus meiner Sicht gibt es eine Voraussetzung, die oft unterschätzt wird: Man muss wirklich hinter dem stehen, was man tut.

Leidenschaft allein ersetzt keine Strategie. Aber ohne Begeisterung wird vieles deutlich schwerer.

Wenn ein Thema einen wirklich interessiert, entsteht häufig etwas Besonderes: Man lernt gerne, beschäftigt sich freiwillig damit, entwickelt Ideen, spricht mit Begeisterung darüber.

Genau deshalb glaube ich, dass Network Marketing und Affiliate Marketing nur dann langfristig funktionieren können, wenn man die Produkte oder Unternehmen ehrlich mag.

Meine Erfahrungen mit Network Marketing

Ich selbst habe mich für zwei Unternehmen entschieden, hinter denen ich vollständig stehen kann: Ringana und Aqua Global.

Für mich war nie entscheidend, möglichst viele Produkte zu verkaufen. Wichtiger war die Frage: Würde ich diese Produkte auch nutzen oder empfehlen, wenn ich kein Geld damit verdienen würde?

Bei beiden Unternehmen lautet meine Antwort: Ja. Genau deshalb fühlt sich die Zusammenarbeit für mich stimmig an.

Mein wichtigstes Affiliate-Projekt

Im Affiliate-Bereich begleitet mich vor allem Neowake. Auch hier gilt für mich derselbe Grundsatz: Ich empfehle nichts, von dem ich nicht selbst überzeugt bin.

Menschen merken sehr schnell, ob jemand für etwas brennt oder nur eine Provision verdienen möchte. Deshalb ist Authentizität für mich wichtiger als jede Verkaufsstrategie.

Transparenzhinweis: Ich arbeite mit den genannten Unternehmen zusammen und kann durch Empfehlungen oder Verkäufe eine Provision erhalten. Meine Einschätzungen dazu sind trotzdem meine ehrliche, persönliche Meinung.

Eine interessante Erkenntnis im Nachhinein

Etwas ist mir erst nach meiner ADHS-Diagnose aufgefallen.

Wenn ich heute auf meine Entscheidungen zurückblicke, habe ich meine Unternehmen vermutlich auch deshalb ausgewählt, weil sie auf eine besondere Weise zu mir passen. Damals war mir das nicht bewusst. Heute sehe ich viele Zusammenhänge deutlicher.

Warum mich bestimmte Themen sofort begeistert haben. Warum ich mich mit manchen Produkten besonders intensiv beschäftige. Warum ich manche Dinge mit großer Leidenschaft weiterempfehlen kann.

Das ist allerdings meine persönliche Vermutung, kein allgemeiner Zusammenhang – darüber werde ich in zukünftigen Beiträgen noch ausführlicher schreiben. Denn je mehr ich über ADHS lerne, desto häufiger entdecke ich Verbindungen, die ich früher nie gesehen hätte.

Die Herausforderungen sollte man trotzdem nicht verschweigen

Selbstständigkeit ist kein Wundermittel. Und sie löst nicht automatisch alle Probleme. Es gibt auch Herausforderungen, zum Beispiel:

  • Selbstorganisation
  • Zeitmanagement
  • Prioritäten setzen
  • Durchhaltevermögen bei Routineaufgaben
  • Buchhaltung
  • Struktur

Gerade kreative Menschen lieben oft die Ideen mehr als die Verwaltung. Deshalb ist es wichtig, ehrlich zu bleiben: Selbstständigkeit bedeutet Freiheit. Aber auch Verantwortung.

Und sie ist nicht für jeden ADHS-Kopf die richtige Lösung. Manche Menschen brauchen gerade feste äußere Strukturen, regelmäßige Routinen oder ein Team um sich herum, um gut zu funktionieren. Das ist genauso richtig wie der Weg in die Selbstständigkeit – es kommt ganz auf die eigene Funktionsweise an.

Die eigenen Stärken nutzen

Lange Zeit konzentrieren wir uns oft auf das, was nicht funktioniert. Dabei lohnt sich manchmal ein anderer Blick.

Viele Frauen bringen Eigenschaften mit, die in der Selbstständigkeit unglaublich wertvoll sein können: Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Empathie, Neugier, Spontanität, Ideenreichtum und die Fähigkeit, Menschen zu begeistern.

Natürlich hat jede Stärke auch ihre Herausforderungen. Trotzdem verdienen diese Fähigkeiten mehr Aufmerksamkeit.

Warum ich diesen Weg gerne gehe

Für mich bedeutet Selbstständigkeit vor allem eines: die Möglichkeit, mein Leben aktiver zu gestalten.

Nicht perfekt. Nicht immer strukturiert. Nicht immer geradlinig. Aber auf eine Weise, die sich für mich richtig anfühlt.

Ich darf lernen. Ich darf ausprobieren. Ich darf mich weiterentwickeln. Und ich darf mit Unternehmen zusammenarbeiten, hinter denen ich wirklich stehe.

Das fühlt sich für mich deutlich leichter an, als jeden Tag Energie darauf zu verwenden, jemand anderes zu sein.

Fazit

Network Marketing und Affiliate Marketing sind sicherlich nicht für jede Frau der richtige Weg. Und das müssen sie auch nicht sein.

Für Frauen, die sich für bestimmte Produkte oder Themen begeistern können, bieten sie jedoch interessante Möglichkeiten. Flexible Arbeitszeiten, selbstbestimmtes Arbeiten und die Chance, die eigenen Stärken einzubringen, können große Vorteile sein.

Entscheidend ist dabei aus meiner Sicht nicht das Geschäftsmodell. Entscheidend ist, ob man sich mit dem Unternehmen, den Produkten und den eigenen Werten identifizieren kann.

Denn langfristig entsteht Erfolg oft dort, wo Begeisterung, Authentizität und Überzeugung zusammentreffen. Und genau deshalb fühle ich mich mit meinen Projekten rund um Ringana, Aqua Global und Neowake heute sehr wohl.

Bis denndann

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People Pleasing und ADHS – Warum viele Frauen es allen recht machen wollen https://www.heike-siegmund.de/blog/adhs-people-pleasing/ https://www.heike-siegmund.de/blog/adhs-people-pleasing/#comments Mon, 22 Jun 2026 20:48:00 +0000 People Pleasing ADHS ADHS Grenzen setzen ADHS Nein sagen ADHS Frauen Bedürfnisse ADHS Konfliktvermeidung People Pleasing Frauen ADHS Selbstfürsorge ADHS Erschöpfung Rund um ADHS https://www.heike-siegmund.de/blog/adhs-people-pleasing/ Weiterlesen

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Dieser Beitrag spiegelt meine persönlichen Erfahrungen und meine Meinung wider. Ich bin keine Psychiaterin oder Psychologin, nur Betroffene. Wenn du etwas Konstruktives dazu sagen möchtest, schreib mir gerne eine E-Mail an an@heike-siegmund.de oder hinterlasse einen Kommentar. Freundliche und konstruktive Kommentare sind immer willkommen.

„Kein Problem, ich mache das."

„Natürlich kann ich helfen."

„Ach, das passt schon."

„Mir ist egal, was wir machen."

Viele Frauen sagen solche Sätze beinahe automatisch. Manchmal so automatisch, dass sie gar nicht merken, dass sie eigentlich etwas ganz anderes möchten.

Während andere Menschen ihre Bedürfnisse klar äußern können, fällt es manchen Frauen mit ADHS schwer, Nein zu sagen, Grenzen zu setzen oder andere zu enttäuschen. Stattdessen kümmern sie sich um alle anderen. Und vergessen dabei oft sich selbst.

Dieses Verhalten wird häufig als People Pleasing bezeichnet. Gemeint ist damit das starke Bedürfnis, anderen zu gefallen, Konflikte zu vermeiden und möglichst niemanden zu enttäuschen.

People Pleasing ist keine offizielle Diagnose und auch kein ADHS-Symptom. Trotzdem erkennen sich viele Frauen mit ADHS darin wieder.

Was bedeutet People Pleasing?

People Pleasing bedeutet mehr als bloße Freundlichkeit. Freundlichkeit entsteht aus einer freien Entscheidung. People Pleasing entsteht oft aus Angst.

Zum Beispiel aus der Angst, abgelehnt zu werden, Kritik zu bekommen, andere zu verletzen, egoistisch zu wirken, Konflikte auszulösen oder nicht gemocht zu werden.

Dadurch entsteht häufig ein Muster: Die Bedürfnisse anderer werden wichtiger als die eigenen.

Wie zeigt sich People Pleasing im Alltag?

Viele Frauen erkennen sich in Situationen wie diesen wieder:

Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst

Du bist erschöpft. Du hast keine Zeit. Du möchtest eigentlich absagen. Und trotzdem sagst du zu. Nicht, weil du möchtest. Sondern weil du niemanden enttäuschen willst.

Du entschuldigst dich ständig

Manche Menschen entschuldigen sich sogar für Dinge, für die sie gar nichts können – für Rückfragen, für eigene Bedürfnisse, für Fehler, für ihre Gefühle, dafür, Platz einzunehmen.

Du vermeidest Konflikte

Manchmal wird geschwiegen, obwohl etwas verletzt hat. Manchmal wird zugestimmt, obwohl man anderer Meinung ist. Nicht, weil man keine Meinung hat. Sondern weil der Konflikt zu belastend erscheint.

Du kümmerst dich um alle

Viele Frauen wissen genau, wie es anderen geht. Sie helfen, organisieren, unterstützen, hören zu, denken mit, fühlen mit. Das Problem: Oft bleibt dabei kaum Energie für die eigenen Bedürfnisse übrig.

Warum sind viele Frauen mit ADHS besonders anfällig dafür?

Es gibt darauf keine einfache Antwort. Vermutlich kommen mehrere Faktoren zusammen.

Die Erfahrung, oft „falsch" zu sein

Viele Frauen mit ADHS wachsen mit dem Gefühl auf, anders zu sein. Sie vergessen Dinge, sind unorganisiert, wirken zu emotional, reden zu viel oder zu wenig, sind zu laut oder zu still.

Schon früh hören viele: Reiß dich zusammen. Sei nicht so empfindlich. Gib dir mehr Mühe. Warum kannst du das nicht einfach?

Irgendwann entsteht daraus häufig die Überzeugung: Wenn ich gemocht werden will, muss ich besonders nett sein.

Der Zusammenhang mit RSD

Viele Betroffene erleben Kritik oder Ablehnung besonders intensiv – darüber habe ich im Artikel über RSD bei ADHS ausführlicher geschrieben.

Wenn Ablehnung sich außergewöhnlich schmerzhaft anfühlt, wird Harmonie oft zur Sicherheitsstrategie. Dann entsteht leicht der Wunsch: Wenn ich es allen recht mache, kann mich niemand ablehnen. Leider funktioniert das meist nur kurzfristig.

Masking und People Pleasing

People Pleasing überschneidet sich häufig mit Masking. Viele Frauen lernen früh, nicht anzuecken, sich anzupassen, Erwartungen zu erfüllen und Schwierigkeiten zu verstecken.

Das funktioniert oft erstaunlich gut. Von außen wirken sie hilfsbereit, zuverlässig und unkompliziert. Innerlich kann es jedoch sehr anstrengend werden.

Wenn das eigene Leben immer auf Platz zwei steht

Das eigentliche Problem beim People Pleasing ist oft nicht das Helfen. Helfen kann etwas Wunderschönes sein.

Problematisch wird es, wenn die eigenen Bedürfnisse dauerhaft hinten anstehen. Viele Frauen kennen Erschöpfung, Überforderung, Frust, stille Wut, Schuldgefühle und das Gefühl, ausgenutzt zu werden.

Und gleichzeitig fällt es ihnen schwer, etwas zu verändern.

Die versteckte Wut

Ein Thema, über das selten gesprochen wird: People Pleasing kann wütend machen. Nicht unbedingt auf andere Menschen. Oft auf sich selbst.

Viele Betroffene denken: Warum habe ich schon wieder Ja gesagt? Warum habe ich nichts gesagt? Warum mache immer ich alles?

Diese Wut ist verständlich. Denn irgendwo im Inneren weiß man oft längst, dass die eigenen Grenzen überschritten wurden.

Warum Grenzen setzen so schwer sein kann

Für viele Menschen klingt die Lösung einfach: „Dann sag doch einfach Nein." In der Praxis ist das oft deutlich schwieriger.

Denn ein Nein kann Gefühle auslösen wie Schuld, Angst, Unsicherheit oder Scham. Manche Menschen fühlen sich nach einem Nein tagelang schlecht – selbst dann, wenn sie völlig berechtigt abgesagt haben.

Die gute Nachricht: Grenzen kann man lernen

Grenzen setzen ist keine angeborene Fähigkeit. Es ist eine Kompetenz. Und Kompetenzen können geübt werden.

Oft beginnt es mit kleinen Schritten. Nicht mit einem großen Nein. Sondern mit einem kleinen.

Hilfreiche Strategien bei People Pleasing

Nicht sofort antworten

Viele Zusagen entstehen impulsiv. Deshalb kann ein einfacher Satz helfen: „Ich denke kurz darüber nach und melde mich später." Dadurch entsteht Raum für eine echte Entscheidung.

Die eigenen Bedürfnisse bewusst wahrnehmen

Viele Frauen wissen sofort, was andere brauchen. Schwieriger ist die Frage: Was brauche eigentlich ich? Diese Frage regelmäßig zu stellen, kann hilfreich sein.

Schuldgefühle nicht mit Fehlern verwechseln

Ein wichtiger Unterschied: Nur weil sich etwas falsch anfühlt, bedeutet das nicht automatisch, dass es falsch ist. Grenzen setzen kann ungewohnt sein. Das bedeutet nicht, dass es falsch ist.

Kleine Neins üben

Zum Beispiel: heute nicht, gerade nicht, diesmal nicht, ich brauche etwas Zeit für mich. Nicht jedes Nein muss lang erklärt werden.

Menschen beobachten, die gesunde Grenzen haben

Viele Betroffene stellen fest: Menschen mit klaren Grenzen werden oft trotzdem gemocht. Manchmal sogar gerade deshalb.

Du musst nicht nützlich sein, um wertvoll zu sein

Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke dieses ganzen Artikels.

Viele Frauen haben unbewusst gelernt: Ich werde geliebt, wenn ich hilfreich bin. Ich werde akzeptiert, wenn ich funktioniere. Ich werde gemocht, wenn ich keine Umstände mache.

Doch der Wert eines Menschen hängt nicht davon ab, wie viel er für andere tut. Auch nicht davon, wie hilfsbereit, angepasst oder unkompliziert er ist.

Du musst dir deinen Platz nicht verdienen.

Fazit

People Pleasing ist bei vielen Frauen mit ADHS eng mit ihren Lebenserfahrungen verbunden.

Jahrelange Anpassung, die Angst vor Kritik, RSD, Masking und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit können dazu beitragen, dass die Bedürfnisse anderer wichtiger werden als die eigenen.

Kurzfristig kann diese Strategie helfen, Konflikte zu vermeiden. Langfristig führt sie jedoch oft zu Erschöpfung, Überforderung und dem Gefühl, sich selbst zu verlieren.

Der Weg heraus beginnt meist nicht mit großen Veränderungen. Sondern mit einer kleinen Erkenntnis:

Die Bedürfnisse anderer Menschen sind wichtig. Die eigenen aber auch.

Und beides darf gleichzeitig wahr sein.

Bis denndann

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Dieser Beitrag spiegelt meine persönlichen Erfahrungen und meine Meinung wider. Ich bin keine Psychiaterin oder Psychologin, nur Betroffene. Wenn du etwas Konstruktives dazu sagen möchtest, schreib mir gerne eine E-Mail an an@heike-siegmund.de oder hinterlasse einen Kommentar. Freundliche und konstruktive Kommentare sind immer willkommen.

„Die Kollegin hat heute irgendwie komisch geschaut."

„Warum hat er noch nicht auf meine Nachricht geantwortet?"

„Bestimmt habe ich etwas falsch gemacht."

„Das hätte ich nicht sagen dürfen."

Manchmal reicht ein kurzer Kommentar, eine verspätete Antwort oder ein missverständlicher Blick – und plötzlich scheint das Gedankenkarussell nicht mehr aufzuhören.

Viele Menschen mit ADHS kennen solche Momente. Was für andere wie eine kleine Enttäuschung wirkt, kann sich für Betroffene anfühlen wie eine tiefe Verletzung. Manche beschreiben es sogar als emotionalen Schmerz.

Im Zusammenhang mit ADHS wird dafür häufig ein Begriff verwendet: RSD.

Die Abkürzung steht für Rejection Sensitive Dysphoria, auf Deutsch etwa „zurückweisungssensible Dysphorie". Das Thema hängt eng mit der emotionalen Dysregulation bei ADHS zusammen, beschreibt aber speziell die Reaktion auf Kritik und Zurückweisung.

Was ist RSD?

RSD beschreibt eine besonders intensive emotionale Reaktion auf tatsächliche oder vermutete Zurückweisung, Kritik oder Ablehnung.

Wichtig dabei: Es geht nicht nur um echte Zurückweisung. Oft reicht bereits die Befürchtung, kritisiert oder abgelehnt zu werden. Zum Beispiel:

  • Eine Nachricht bleibt unbeantwortet.
  • Jemand wirkt ungewöhnlich kurz angebunden.
  • Kritik wird sachlich formuliert.
  • Ein Fehler wird angesprochen.
  • Eine Einladung bleibt aus.

Während andere solche Situationen vielleicht schnell wieder vergessen, können sie bei Menschen mit RSD starke emotionale Reaktionen auslösen.

Ist RSD eine offizielle Diagnose?

Nein – das ist ein wichtiger Punkt. RSD ist derzeit keine eigenständige medizinische Diagnose und taucht auch nicht als offizielles Diagnosekriterium für ADHS auf.

Trotzdem wird das Konzept von vielen Fachleuten diskutiert. Außerdem berichten zahlreiche Menschen mit ADHS von Erfahrungen, die sehr gut zu den Beschreibungen von RSD passen.

Deshalb kann der Begriff hilfreich sein, um bestimmte Erlebnisse besser zu verstehen, auch wenn noch nicht alle wissenschaftlichen Fragen dazu geklärt sind.

Wie fühlt sich RSD an?

Viele Betroffene beschreiben die Reaktion als unverhältnismäßig stark. Sie wissen oft selbst, dass die Situation objektiv vielleicht gar nicht so dramatisch ist.

Das Problem: Die Gefühle fühlen sich trotzdem echt an. Und zwar sehr.

Häufige Erfahrungen sind intensive Scham, tiefe Kränkung, starke Selbstzweifel, Angst vor Ablehnung, Grübeln, das Gefühl, versagt zu haben, Rückzug, plötzliche Traurigkeit und Wut auf sich selbst.

Manche berichten sogar von körperlichen Reaktionen wie Druckgefühl in der Brust, Übelkeit, Herzklopfen oder innerer Unruhe.

Warum trifft Kritik so tief?

Viele Menschen mit ADHS haben eine lange Geschichte voller Missverständnisse hinter sich. Schon als Kinder hören sie möglicherweise häufiger:

Du musst dich mehr anstrengen. Warum bist du so unorganisiert? Jetzt konzentrier dich doch endlich. Du bist zu empfindlich. Du könntest so viel erreichen, wenn du nur wolltest.

Selbst wenn solche Aussagen gut gemeint waren, können sie Spuren hinterlassen. Über Jahre entsteht manchmal das Gefühl: Mit mir stimmt etwas nicht.

Wenn dann später Kritik auftaucht, berührt sie oft nicht nur die aktuelle Situation. Sie trifft auch alte Erfahrungen und alte Wunden.

Wenn schon ein Blick zu viel sein kann

Viele Menschen mit RSD entwickeln eine starke Aufmerksamkeit für die Reaktionen anderer Menschen. Sie beobachten Gesichtsausdrücke, Tonfall, Wortwahl, Antwortzeiten und Körpersprache.

Das geschieht häufig automatisch. Das Gehirn versucht gewissermaßen ständig zu prüfen: Bin ich noch in Ordnung? Ist alles gut? Hat jemand etwas gegen mich?

Das Problem: Nicht jede Interpretation stimmt. Ein gestresster Kollege ist vielleicht einfach gestresst. Eine unbeantwortete Nachricht bedeutet nicht automatisch Ablehnung. Trotzdem fühlt sich die Situation oft anders an.

Die Angst vor Fehlern

RSD kann dazu führen, dass Fehler besonders bedrohlich wirken. Viele Betroffene entwickeln deshalb Strategien wie Perfektionismus, übermäßige Vorbereitung, ständiges Kontrollieren, Konfliktvermeidung oder People Pleasing.

Nach außen wirkt das häufig sehr gewissenhaft. Innerlich steckt oft die Angst dahinter, kritisiert oder abgelehnt zu werden.

Warum viele Frauen besonders darunter leiden

Frauen mit ADHS erhalten ihre Diagnose häufig spät. Bis dahin haben viele Jahrzehnte damit verbracht, sich anzupassen, Fehler zu verstecken und Erwartungen zu erfüllen.

Gleichzeitig werden Frauen gesellschaftlich oft stärker darauf geprägt, harmonisch, freundlich und rücksichtsvoll zu sein.

Wenn Kritik oder Ablehnung dann besonders intensiv erlebt werden, entsteht schnell ein belastender Kreislauf: Angst vor Fehlern, noch mehr Anpassung, noch mehr Selbstkontrolle, noch mehr Erschöpfung.

Deshalb überschneiden sich die Themen RSD, Masking und Perfektionismus häufig.

Das Missverständnis mit der Überempfindlichkeit

Menschen mit RSD hören oft: „Du reagierst über." „Das war doch gar nicht so gemeint." „Jetzt sei nicht so empfindlich."

Das Problem an solchen Aussagen: Sie helfen selten. Denn die Gefühle sind bereits da.

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, ob das Gefühl logisch ist. Sondern darin, wie intensiv es erlebt wird.

Wie RSD Beziehungen beeinflussen kann

RSD kann Freundschaften, Partnerschaften und Familienbeziehungen belasten. Nicht weil Betroffene schwierig sind. Sondern weil bestimmte Situationen besonders schmerzhaft erlebt werden.

Zum Beispiel eine verspätete Antwort, ein abgesagtes Treffen, eine kritische Bemerkung oder ein Missverständnis.

Manche Menschen ziehen sich daraufhin zurück. Andere suchen ständig nach Bestätigung. Wieder andere versuchen, Konflikte um jeden Preis zu vermeiden.

Was helfen kann

Es gibt keine Patentlösung. Viele Betroffene berichten jedoch, dass folgende Strategien hilfreich sein können.

Gefühle von Fakten trennen

Ein wichtiger Satz lautet: „Ich fühle Ablehnung – aber das bedeutet nicht automatisch, dass ich abgelehnt werde." Dieser Unterschied klingt klein, kann aber sehr entlastend sein.

Nicht sofort reagieren

Wenn möglich: keine impulsiven Nachrichten schreiben, keine vorschnellen Entscheidungen treffen, sich etwas Zeit geben. Starke Gefühle verändern sich oft innerhalb von Stunden oder Tagen.

Nachfragen statt interpretieren

Anstatt sofort vom Schlimmsten auszugehen, kann es hilfreich sein, direkt nachzufragen. Oft stellt sich heraus, dass die Situation ganz anders war als befürchtet.

Eigene Muster kennenlernen

Viele Menschen erkennen mit der Zeit wiederkehrende Auslöser, zum Beispiel Kritik, Konflikte, Unsicherheit oder das Schweigen anderer Menschen. Diese Muster zu kennen, schafft Handlungsspielraum.

Unterstützung suchen

Je nach Situation können Psychotherapie, ADHS-Coaching, Selbsthilfegruppen oder der Austausch mit anderen Betroffenen hilfreich sein. Manchmal ist es bereits entlastend zu erfahren, dass man mit diesen Erfahrungen nicht allein ist.

Du bist nicht zu empfindlich

Vielleicht ist das einer der wichtigsten Gedanken überhaupt.

Viele Menschen mit ADHS verbringen Jahre oder Jahrzehnte damit, sich für ihre emotionalen Reaktionen zu schämen. Sie versuchen härter zu werden. Weniger zu fühlen. Weniger betroffen zu sein.

Doch Gefühle lassen sich nicht einfach abschalten.

Was oft hilft, ist nicht mehr Härte. Sondern mehr Verständnis. Für die eigenen Erfahrungen. Für die eigene Geschichte. Und für die Tatsache, dass manche Menschen emotionale Reize intensiver erleben als andere.

Fazit

RSD beschreibt eine besonders starke emotionale Reaktion auf Kritik, Ablehnung oder die Angst vor Zurückweisung.

Auch wenn RSD keine offizielle Diagnose ist, erkennen sich viele Menschen mit ADHS in den beschriebenen Erfahrungen wieder. Die intensive Reaktion hat nichts mit Schwäche oder mangelnder Belastbarkeit zu tun. Oft spielen persönliche Erfahrungen, emotionale Dysregulation und die Lebensgeschichte eine wichtige Rolle.

Wer beginnt, diese Zusammenhänge zu verstehen, kann lernen, mit mehr Mitgefühl auf sich selbst zu schauen.

Und manchmal entsteht genau daraus etwas sehr Wertvolles: die Erkenntnis, dass man nicht zu empfindlich ist. Sondern dass man lange versucht hat, Erfahrungen zu bewältigen, die andere Menschen nie gesehen haben.

Bis denndann

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Dieser Beitrag spiegelt meine persönlichen Erfahrungen und meine Meinung wider. Ich bin keine Psychiaterin oder Psychologin, nur Betroffene. Wenn du etwas Konstruktives dazu sagen möchtest, schreib mir gerne eine E-Mail an an@heike-siegmund.de oder hinterlasse einen Kommentar. Freundliche und konstruktive Kommentare sind immer willkommen.

„Warum reagiere ich immer so empfindlich?"

„Warum trifft mich Kritik so sehr?"

„Warum bin ich innerhalb von Sekunden von glücklich zu völlig überfordert?"

„Warum fühlt sich alles so intensiv an?"

Viele Menschen mit ADHS stellen sich diese Fragen jahrelang. Manche halten sich für zu sensibel. Andere für schwierig. Wieder andere glauben, sie müssten einfach lernen, sich besser zusammenzureißen.

Doch viele dieser Erfahrungen könnten mit etwas zusammenhängen, das lange Zeit wenig Beachtung gefunden hat: emotionale Dysregulation.

Für viele Betroffene gehört sie zu den belastendsten Auswirkungen von ADHS. Und trotzdem wird sie oft erst spät erkannt.

Was bedeutet emotionale Dysregulation?

Emotionale Dysregulation beschreibt Schwierigkeiten, Gefühle zu steuern, zu verarbeiten oder ihre Intensität zu regulieren.

Das bedeutet nicht, dass Menschen mit ADHS keine Kontrolle über ihre Gefühle haben. Es bedeutet vielmehr, dass Gefühle oft schneller entstehen, intensiver erlebt werden, länger nachwirken können und schwerer zu beruhigen sind.

Viele Betroffene beschreiben es so: Sie fühlen nicht unbedingt andere Gefühle als andere Menschen. Sie fühlen sie oft nur deutlich stärker.

Das Gefühl kommt zuerst

Bei vielen Menschen entsteht zwischen Gefühl und Reaktion ein kleiner Abstand – eine Art innerer Moment zum Nachdenken.

Bei ADHS scheint dieser Abstand manchmal kleiner zu sein. Das bedeutet: Etwas passiert. Das Gefühl ist sofort da. Und zwar in voller Lautstärke. Erst danach beginnt das Gehirn, die Situation einzuordnen.

Deshalb berichten viele Betroffene von Reaktionen wie spontanen Tränen, plötzlicher Wut, starker Kränkung, übermäßiger Begeisterung, intensiver Freude oder tiefer Enttäuschung.

Es geht nicht nur um negative Gefühle

Wenn über emotionale Dysregulation gesprochen wird, denken viele zuerst an Wut oder Frustration. Doch das Thema betrifft alle Gefühle. Auch positive.

Viele Menschen mit ADHS erleben Begeisterung besonders intensiv, tiefe Verbundenheit, große Leidenschaft, starke Empathie und kreativen Enthusiasmus.

Die hohe emotionale Intensität kann also sowohl belastend als auch bereichernd sein.

Was passiert dabei im Gehirn?

Die Forschung geht davon aus, dass bei ADHS mehrere Hirnregionen beteiligt sind, die für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Emotionsregulation wichtig sind. Dazu gehören unter anderem der präfrontale Cortex, das limbische System und verschiedene Botenstoffsysteme wie Dopamin und Noradrenalin.

Vereinfacht gesagt könnte das Gehirn Schwierigkeiten haben, emotionale Reize ausreichend zu filtern oder zu regulieren. Das bedeutet nicht, dass Gefühle falsch sind. Sie kommen lediglich oft schneller und stärker an.

Die genauen Zusammenhänge werden weiterhin erforscht.

Warum viele Frauen sich ihr Leben lang „zu empfindlich" fühlen

Besonders Frauen berichten häufig von einem schmerzhaften Muster. Schon als Mädchen hören sie: Sei nicht so sensibel. Stell dich nicht so an. Das war doch nicht böse gemeint. Du übertreibst.

Irgendwann entsteht daraus oft ein belastender Gedanke: Mit mir stimmt etwas nicht.

Viele lernen deshalb früh, ihre Gefühle zu verstecken. Sie lächeln, obwohl sie verletzt sind. Sie entschuldigen sich für ihre Tränen. Sie versuchen, ihre Reaktionen zu kontrollieren.

Das Problem: Gefühle verschwinden dadurch nicht. Sie werden häufig nur nach innen verlagert – ähnlich wie es auch beim Masking der Fall ist.

Wenn Kritik körperlich weh tut

Ein Thema taucht in Gesprächen mit ADHS-Betroffenen besonders häufig auf: Kritik.

Selbst kleine Hinweise können sich manchmal anfühlen wie ein persönlicher Angriff. Nicht, weil die Kritik objektiv so schlimm wäre. Sondern weil die emotionale Reaktion außergewöhnlich stark ausfällt.

Viele beschreiben Scham, Schuldgefühle, Grübeln, Selbstzweifel und tagelanges Nachdenken über eine Situation.

Manche Fachleute diskutieren in diesem Zusammenhang das Konzept der sogenannten Rejection Sensitive Dysphoria (RSD), also einer besonders starken emotionalen Reaktion auf tatsächliche oder vermutete Zurückweisung.

RSD ist jedoch keine offizielle Diagnose. Viele Betroffene erkennen sich trotzdem in den beschriebenen Erfahrungen wieder.

Die emotionale Achterbahn

Ein weiteres typisches Merkmal: Gefühle können schnell wechseln.

Ein schöner Tag. Eine kritische Nachricht. Ein Missverständnis. Eine unerwartete Rechnung. Und plötzlich kippt die Stimmung.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Gefühle oberflächlich sind. Im Gegenteil: Oft werden sie so intensiv erlebt, dass sie den gesamten Fokus übernehmen.

Warum Konflikte oft lange nachwirken

Viele Menschen mit ADHS berichten, dass sie Konflikte schwer loslassen können. Ein Gespräch vom Morgen beschäftigt sie noch am Abend. Ein Streit von letzter Woche fühlt sich immer noch präsent an. Ein unfreundlicher Kommentar wird immer wieder durchdacht.

Dieses Grübeln kann enorm viel Energie kosten.

Die versteckte Erschöpfung

Emotionale Dysregulation bedeutet nicht nur intensive Gefühle. Sie bedeutet oft auch intensive Erholung danach.

Viele Betroffene kennen emotionale Erschöpfung, Rückzug nach Konflikten, mentale Überlastung, das Bedürfnis, allein zu sein, und Schwierigkeiten abzuschalten.

Von außen wirkt das manchmal übertrieben. Für die betroffene Person ist es jedoch oft eine echte Belastung.

Warum eine späte Diagnose vieles verändern kann

Viele Frauen erleben nach ihrer ADHS-Diagnose einen überraschenden Moment. Sie erkennen, dass ihre Gefühle nie das Problem waren. Das Problem war oft, dass sie ihre Gefühle nicht verstanden haben.

Plötzlich ergeben viele Erfahrungen Sinn: die Tränen, die Empfindlichkeit, die Überforderung, die starke Begeisterung, die intensiven Reaktionen.

Das bedeutet nicht, dass alles leichter wird. Aber es kann helfen, sich selbst mit mehr Verständnis zu begegnen.

Was helfen kann

Es gibt keine Strategie, die für alle Menschen funktioniert. Viele Betroffene berichten jedoch, dass bestimmte Dinge hilfreich sein können.

Gefühle benennen

Studien aus der Emotionsforschung zeigen, dass allein das Benennen eines Gefühls helfen kann. Nicht „Mir geht es schlecht", sondern: Ich bin enttäuscht. Ich bin verletzt. Ich bin frustriert. Ich bin überfordert. Je genauer das Gefühl benannt wird, desto leichter lässt es sich oft einordnen.

Den Auslöser suchen

Manchmal wirkt ein Gefühl plötzlich. Oft gibt es jedoch einen Auslöser. Fragen können helfen: Was ist gerade passiert? Was hat mich getroffen? Woran erinnert mich das?

Pausen zwischen Gefühl und Handlung

Viele Konflikte entstehen nicht durch Gefühle, sondern durch spontane Reaktionen. Deshalb kann es hilfreich sein, sich bewusst Zeit zu verschaffen. Eine Antwort muss nicht sofort geschrieben werden. Ein Gespräch muss nicht sofort geführt werden.

Körperliche Bedürfnisse ernst nehmen

Emotionen werden oft stärker, wenn zusätzlich Schlafmangel, Hunger, Stress, Überforderung oder Reizüberflutung dazukommen. Manchmal ist das Nervensystem schlicht erschöpft.

Unterstützung annehmen

Je nach Situation können Psychotherapie, ADHS-Coaching, Selbsthilfegruppen, Austausch mit anderen Betroffenen oder medizinische Beratung hilfreich sein. Niemand muss alles allein herausfinden.

Eine andere Sichtweise auf Sensibilität

Viele Menschen mit ADHS verbringen Jahre damit, ihre Sensibilität als Schwäche zu betrachten. Vielleicht lohnt sich manchmal eine andere Perspektive.

Denn dieselbe Fähigkeit, die Kritik intensiv spüren lässt, ermöglicht oft auch Mitgefühl, Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, tiefe Beziehungen und starke Intuition.

Die Herausforderung besteht häufig nicht darin, weniger zu fühlen. Sondern besser mit der Intensität umgehen zu lernen.

Fazit

Emotionale Dysregulation gehört für viele Menschen mit ADHS zum Alltag, auch wenn darüber deutlich seltener gesprochen wird als über Konzentrationsprobleme oder Vergesslichkeit.

Gefühle können schneller, intensiver und länger erlebt werden. Das kann zu Missverständnissen, Selbstzweifeln und Erschöpfung führen.

Gleichzeitig sind viele der Eigenschaften, die daraus entstehen, auch mit großer Empathie, Leidenschaft und Kreativität verbunden.

Wer seine emotionalen Reaktionen besser versteht, gewinnt oft etwas sehr Wertvolles zurück: Mitgefühl für sich selbst.

Und manchmal ist genau das der erste Schritt zu einem entspannteren Umgang mit den eigenen Gefühlen.

Bis denndann

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„Ich habe doch gerade erst angefangen."

Ein Blick auf die Uhr. Drei Stunden sind vergangen.

Oder das Gegenteil: „Bis zum Termin habe ich noch ewig Zeit." Kurze Zeit später beginnt die Hektik, weil der Termin bereits in 20 Minuten startet.

Viele Menschen mit ADHS kennen solche Situationen nur zu gut. Während andere scheinbar intuitiv spüren, wie viel Zeit vergangen ist oder wie lange eine Aufgabe dauern wird, fühlt sich Zeit für viele ADHS-Betroffene anders an.

Dieses Phänomen wird häufig als Zeitblindheit bezeichnet.

Zeitblindheit bedeutet nicht, dass Menschen mit ADHS keine Uhr lesen können. Es bedeutet vielmehr, dass das innere Gefühl für Zeit oft unzuverlässig ist. Und genau das kann nahezu jeden Lebensbereich beeinflussen.

Was ist Zeitblindheit?

Zeitblindheit beschreibt Schwierigkeiten, Zeit realistisch wahrzunehmen, einzuschätzen und im Alltag zu berücksichtigen.

Viele Betroffene erleben beispielsweise:

  • ständiges Zuspätkommen
  • Probleme bei der Planung
  • unrealistische Zeiteinschätzungen
  • Schwierigkeiten, rechtzeitig mit Aufgaben zu beginnen
  • Hyperfokus und Zeitvergessenheit
  • das Gefühl, dass die Zeit plötzlich verschwunden ist
  • dauerhaften Zeitdruck

Dabei geht es nicht um Faulheit oder mangelndes Interesse. Die Schwierigkeiten entstehen oft, obwohl die betreffende Person pünktlich sein möchte oder genau weiß, wie wichtig ein Termin ist.

Wie fühlt sich Zeitblindheit an?

Viele Menschen mit ADHS beschreiben Zeit nicht als fließenden Verlauf. Stattdessen scheint es häufig nur zwei Zeiträume zu geben:

Jetzt – das, was gerade passiert.

Nicht jetzt – alles andere.

Ob etwas in zehn Minuten, morgen oder in drei Monaten stattfindet, fühlt sich manchmal überraschend ähnlich an.

Deshalb werden Aufgaben oft erst dann wirklich relevant, wenn sie unmittelbar bevorstehen. Nicht, weil man sie vergessen wollte. Sondern weil das Gehirn ihre Dringlichkeit vorher kaum wahrnimmt.

Was passiert dabei im Gehirn?

Die Forschung beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, warum Zeitwahrnehmung bei ADHS anders sein kann. Vereinfacht gesagt spielen dabei mehrere Gehirnregionen und Botenstoffe eine Rolle, besonders:

  • der präfrontale Cortex
  • die Basalganglien
  • Dopamin-Systeme

Diese Bereiche sind unter anderem an Aufmerksamkeit, Planung, Motivation und Zeitverarbeitung beteiligt. Bei ADHS werden Unterschiede in der Regulation bestimmter Botenstoffe beobachtet, insbesondere von Dopamin.

Dopamin ist nicht nur für Belohnung und Motivation wichtig. Es scheint auch eine Rolle dabei zu spielen, wie das Gehirn Zeit verarbeitet und zukünftige Ereignisse bewertet.

Deshalb vermuten Forschende, dass Schwierigkeiten mit der Zeitwahrnehmung direkt mit den neurologischen Besonderheiten von ADHS zusammenhängen könnten. Die genauen Mechanismen werden weiterhin erforscht.

Warum Zukunft oft weniger „echt" wirkt

Viele Menschen ohne ADHS können zukünftige Ereignisse relativ gut im Blick behalten. Ein Termin nächste Woche fühlt sich bereits heute relevant an.

Bei ADHS kann dieser innere Bezug zur Zukunft schwächer ausgeprägt sein. Das bedeutet nicht, dass Betroffene die Zukunft ignorieren. Vielmehr fällt es dem Gehirn schwerer, zukünftige Konsequenzen emotional präsent zu halten.

Deshalb entsteht häufig ein Muster: Aufgaben werden verschoben, die Dringlichkeit wird unterschätzt, kurz vor der Frist entsteht Stress, Adrenalin und Zeitdruck aktivieren das Gehirn, und die Aufgabe wird in letzter Minute erledigt.

Viele Betroffene kennen diesen Kreislauf seit Jahren oder Jahrzehnten.

Hyperfokus – Wenn die Zeit komplett verschwindet

Zeitblindheit zeigt sich nicht nur beim Aufschieben. Sie kann auch das genaue Gegenteil bewirken.

Viele Menschen mit ADHS erleben Phasen intensiver Konzentration, den sogenannten Hyperfokus. Dabei kann die Aufmerksamkeit vollständig auf eine Tätigkeit gerichtet sein.

Das Problem: Das Zeitgefühl verschwindet oft gleich mit. Aus geplanten 20 Minuten werden plötzlich zwei Stunden, vier Stunden oder ein ganzer Nachmittag.

Dabei handelt es sich nicht um mangelnde Disziplin. Das Gehirn registriert den Zeitverlauf in diesen Momenten oft schlicht nicht zuverlässig.

Wie Zeitblindheit das Leben beeinflussen kann

Die Auswirkungen reichen weit über verpasste Termine hinaus.

Beruf: Fristen werden unterschätzt, Projekte dauern länger als geplant, Zeitaufwand wird falsch eingeschätzt, Meetings werden vergessen.

Familie: Absprachen geraten durcheinander, Termine überschneiden sich, Stress entsteht durch ständige Hektik.

Beziehungen: Wiederholte Verspätungen können von anderen Menschen als Desinteresse missverstanden werden. Dabei steckt oft keine böse Absicht dahinter.

Selbstwertgefühl: Besonders belastend ist häufig die innere Bewertung. Viele Betroffene denken über Jahre: Ich bin unzuverlässig. Ich bin chaotisch. Ich bekomme nichts auf die Reihe. Mit mir stimmt etwas nicht.

Eine ADHS-Diagnose kann helfen, diese Erfahrungen besser einzuordnen.

Die gute Nachricht: Zeitblindheit lässt sich unterstützen

Zeitblindheit verschwindet meist nicht einfach. Viele Menschen lernen jedoch Strategien, die den Alltag deutlich erleichtern können.

Der wichtigste Gedanke dabei: Verlasse dich nicht ausschließlich auf dein inneres Zeitgefühl. Nutze äußere Hilfen.

1. Zeit sichtbar machen

Große Wanduhren, Uhren in mehreren Räumen, digitale Timer, visuelle Zeitmesser, Smartwatches. Je häufiger Zeit sichtbar ist, desto leichter wird die Orientierung.

2. Immer mit Timern arbeiten

Für Arbeitsbeginn, Pausen, Haushaltsaufgaben, Duschen, Aufräumen oder E-Mails. Ein Timer ersetzt das unzuverlässige innere Zeitgefühl durch eine klare äußere Struktur.

3. Die tatsächliche Dauer messen

Viele Betroffene schätzen Zeit falsch ein. Deshalb kann es hilfreich sein, Aufgaben einmal bewusst zu stoppen: Wie lange dauert Duschen wirklich? Wie lange brauche ich für Einkäufe? Die Ergebnisse überraschen viele Menschen.

4. Übergangszeiten einplanen

Ein häufiger Fehler: Nur die eigentliche Aufgabe wird berücksichtigt. Nicht bedacht werden Schuhe anziehen, Tasche suchen, Parkplatz finden, Treppen laufen, Unterlagen zusammensuchen. Deshalb hilft es, zusätzliche Pufferzeiten fest einzuplanen.

5. Rückwärts planen

Anstatt zu fragen „Wann muss ich los?", kann es hilfreicher sein zu überlegen: „Wann muss ich fertig angezogen sein?", „Wann muss ich die Wohnung verlassen?", „Wann muss ich anfangen, mich fertig zu machen?" So wird die Planung konkreter.

6. Erinnerungen mehrfach setzen

Eine einzige Erinnerung reicht oft nicht. Hilfreich können mehrere Erinnerungen sein: ein Tag vorher, zwei Stunden vorher, 30 Minuten vorher, eine Abmarsch-Erinnerung. Das reduziert Stress und Überraschungen.

7. Body Doubling nutzen

Viele Menschen mit ADHS arbeiten strukturierter, wenn eine andere Person anwesend ist. Das nennt man Body Doubling. Die zweite Person muss nicht einmal aktiv helfen – ihre Anwesenheit allein kann die Zeitwahrnehmung und den Fokus verbessern.

Welche Unterstützung gibt es noch?

Je nach Situation können unterschiedliche Hilfen sinnvoll sein:

  • ADHS-Coaching
  • Ergotherapie
  • Psychotherapie
  • Selbsthilfegruppen
  • digitale Planungshilfen
  • Kalender-Apps
  • Erinnerungs-Apps
  • Smartwatches
  • visuelle Timer

Auch eine medizinische Behandlung kann für manche Menschen eine Rolle spielen. Welche Unterstützung sinnvoll ist, sollte immer individuell mit qualifizierten Fachpersonen besprochen werden.

Wenn du dich darin wiedererkennst

Vielleicht hast du dein Leben lang geglaubt, du seist einfach schlecht organisiert. Vielleicht hast du unzählige Kalender gekauft. Vielleicht hast du dich für Verspätungen geschämt. Vielleicht fühlst du dich bis heute schuldig, wenn wieder etwas nicht geklappt hat.

Zeitblindheit ist für viele Menschen mit ADHS keine Charakterschwäche. Sie ist vielmehr eine Folge davon, wie das Gehirn Zeit verarbeitet.

Dieses Wissen löst nicht alle Probleme. Aber es kann helfen, freundlicher mit sich selbst umzugehen und nach Lösungen zu suchen, die tatsächlich zur eigenen Funktionsweise passen.

Fazit

Zeitblindheit gehört für viele Menschen mit ADHS zu den größten Herausforderungen im Alltag. Sie beeinflusst Planung, Termine, Beziehungen, Beruf und Selbstwertgefühl.

Die Ursache liegt nicht in mangelnder Disziplin, sondern vermutlich in neurologischen Besonderheiten der Zeitverarbeitung und Aufmerksamkeit.

Die gute Nachricht ist: Man muss sich nicht allein auf sein inneres Zeitgefühl verlassen. Mit sichtbarer Zeit, Timern, Erinnerungen, Pufferzeiten und passenden Unterstützungsangeboten lässt sich der Alltag oft deutlich entspannter gestalten.

Und manchmal beginnt die größte Veränderung mit einer einfachen Erkenntnis: Vielleicht warst du nie schlecht im Organisieren. Vielleicht hat dein Gehirn einfach eine andere Beziehung zur Zeit.

Bis denndann

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Viele Frauen mit ADHS berichten, dass sich ihre Symptome in den Wechseljahren verändern.

Manche beschreiben das Gefühl, als würden plötzlich alle Strategien versagen, die jahrelang irgendwie funktioniert haben.

Listen helfen nicht mehr. Termine werden häufiger vergessen. Die Konzentration fühlt sich an, als wäre sie einfach verschwunden. Aufgaben, die früher machbar waren, wirken plötzlich riesig.

Nicht wenige Frauen beginnen genau in dieser Lebensphase zum ersten Mal zu vermuten, dass hinter ihren Schwierigkeiten mehr steckt als Stress, Überlastung oder das Älterwerden.

Doch gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen ADHS und den Wechseljahren?

Die kurze Antwort lautet: wahrscheinlich ja.

Die genauen Zusammenhänge werden weiterhin erforscht, aber viele Fachleute gehen davon aus, dass hormonelle Veränderungen eine wichtige Rolle spielen können.

Warum Hormone bei ADHS eine Rolle spielen könnten

ADHS wird mit Veränderungen in bestimmten Botenstoffsystemen des Gehirns in Verbindung gebracht, insbesondere mit Dopamin und Noradrenalin. Gleichzeitig beeinflussen Hormone wie Östrogen verschiedene Prozesse im Gehirn.

Während der Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel nicht gleichmäßig, sondern verändert sich teilweise stark.

Einige Forschende vermuten, dass diese hormonellen Veränderungen bestehende ADHS-Symptome verstärken oder sichtbarer machen können. Es gibt Hinweise darauf, dass Schwankungen des Östrogenspiegels Auswirkungen auf Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Stimmung und die sogenannte exekutive Funktion haben können.

Die Forschung entwickelt sich weiterhin, weshalb noch nicht alle Zusammenhänge vollständig geklärt sind.

Warum viele Frauen erst in den Wechseljahren diagnostiziert werden

Viele Frauen mit ADHS haben ihr ganzes Leben lang Strategien entwickelt, um ihren Alltag zu bewältigen.

Sie schreiben Listen. Sie planen voraus. Sie kontrollieren alles mehrfach. Sie investieren oft enorme Energie in Organisation und Anpassung.

Das funktioniert manchmal über Jahrzehnte erstaunlich gut. Doch die Wechseljahre bringen oft zusätzliche Herausforderungen mit sich. Viele Frauen erleben gleichzeitig:

  • hormonelle Veränderungen
  • berufliche Verantwortung
  • die Betreuung älter werdender Eltern
  • Veränderungen in Partnerschaft oder Familie
  • Schlafprobleme
  • emotionale Belastungen

Dadurch können bisherige Bewältigungsstrategien an ihre Grenzen kommen. Nicht selten beginnt genau dann die Suche nach einer Erklärung.

Typische Beschwerden, von denen Frauen berichten

Jede Frau erlebt die Wechseljahre anders. Und jede Frau mit ADHS erlebt ADHS anders. Trotzdem tauchen bestimmte Erfahrungen immer wieder auf.

Konzentrationsprobleme

Das Lesen eines Textes wird anstrengender. Gespräche können schwerer verfolgt werden. Gedanken springen häufiger von Thema zu Thema.

Vergesslichkeit

Wo liegt der Schlüssel? Warum bin ich gerade in diesen Raum gegangen? Welchen Termin hatte ich heute?

Solche Momente kennt fast jeder Mensch. Manche Frauen berichten jedoch, dass diese Schwierigkeiten während der Wechseljahre deutlich zunehmen.

Mentale Erschöpfung

Viele beschreiben das Gefühl, ständig überfordert zu sein. Selbst einfache Aufgaben können plötzlich viel Energie kosten.

Emotionale Empfindlichkeit

Frustration, Reizbarkeit oder das Gefühl, schneller überfordert zu sein, werden ebenfalls häufig genannt.

Dabei kann es schwierig sein zu unterscheiden, welcher Anteil auf ADHS, auf hormonelle Veränderungen oder auf andere Belastungen zurückzuführen ist.

Ist es ADHS oder sind es die Wechseljahre?

Genau diese Frage stellen sich viele Frauen. Leider gibt es darauf keine einfache Antwort, denn einige Beschwerden überschneiden sich.

Sowohl ADHS als auch hormonelle Veränderungen können beispielsweise mit folgenden Schwierigkeiten verbunden sein:

  • Konzentrationsproblemen
  • Vergesslichkeit
  • Schlafproblemen
  • Stimmungsschwankungen
  • Erschöpfung

Deshalb kann eine professionelle Abklärung sinnvoll sein, insbesondere wenn die Schwierigkeiten schon seit der Kindheit oder Jugend bestehen oder rückblickend schon lange zum Leben gehören.

Warum viele Frauen ihre Lebensgeschichte plötzlich neu verstehen

Für manche Frauen fühlt sich eine ADHS-Diagnose in den Wechseljahren an wie ein fehlendes Puzzleteil.

Plötzlich ergeben viele Erfahrungen Sinn. Warum Organisation immer so viel Kraft gekostet hat. Warum Zeitmanagement schwierig war. Warum Erschöpfung ein ständiger Begleiter war. Warum man sich oft anders fühlte als andere Menschen.

Viele berichten, dass sie dadurch nicht nur ihre Gegenwart, sondern auch ihre Vergangenheit mit neuen Augen betrachten.

Was helfen kann

Es gibt keine Lösung, die für alle Frauen funktioniert. Dennoch berichten viele Betroffene, dass folgende Dinge hilfreich sein können:

  • Verständnis für die eigenen Grenzen entwickeln
  • Aufgaben bewusst vereinfachen
  • ausreichend Pausen einplanen
  • Schlaf möglichst ernst nehmen
  • Hilfsmittel nutzen, die den Alltag erleichtern
  • mit Fachpersonen über Beschwerden sprechen
  • den Austausch mit anderen Betroffenen suchen

Wichtig dabei: Was einer Person hilft, muss nicht automatisch für eine andere funktionieren.

Du bildest dir das nicht ein

Viele Frauen erleben einen Moment, in dem sie anfangen, an sich selbst zu zweifeln.

Warum fällt mir plötzlich alles schwerer? Warum schaffe ich nicht mehr das, was früher ging? Warum bin ich so erschöpft?

Diese Fragen sind verständlich. Und sie verdienen eine ernsthafte Betrachtung.

Auch wenn noch nicht alle Zusammenhänge zwischen ADHS und den Wechseljahren vollständig erforscht sind, berichten viele Frauen von ähnlichen Erfahrungen. Allein dieses Wissen kann manchmal schon entlastend sein.

Fazit

Die Wechseljahre können für Frauen mit ADHS eine besonders herausfordernde Lebensphase sein. Hormonelle Veränderungen scheinen bei vielen Betroffenen Einfluss auf Aufmerksamkeit, Organisation, Gedächtnis und emotionale Belastbarkeit zu haben.

Gleichzeitig werden in dieser Zeit häufig Schwierigkeiten sichtbar, die vielleicht schon viele Jahre vorhanden waren.

Nicht jede Frau mit ADHS erlebt die Wechseljahre gleich. Und nicht jede Frau in den Wechseljahren hat ADHS.

Wenn du jedoch das Gefühl hast, dass deine bisherigen Strategien plötzlich nicht mehr funktionieren und du dich in vielen ADHS-Beschreibungen wiedererkennst, kann es sinnvoll sein, diesem Eindruck nachzugehen.

Manchmal beginnt ein neues Verständnis für das eigene Leben genau dort, wo man aufhört, alles allein mit mangelnder Disziplin oder persönlichem Versagen zu erklären.

Bis denndann

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Viele Frauen erhalten ihre ADHS-Diagnose erst im Erwachsenenalter. Manche sind 30, 40 oder 50 Jahre alt, einige sogar noch älter. Oft haben sie bereits ein halbes Leben hinter sich, bevor sie erfahren, dass ADHS ein wichtiger Teil ihrer Geschichte sein könnte.

Doch warum wird ADHS bei Frauen so häufig erst spät erkannt?

Die Antwort ist nicht ganz einfach. Es gibt mehrere Gründe, die zusammenkommen. Einer davon ist, dass ADHS bei Frauen oft anders aussieht, als viele Menschen es erwarten.

Das Bild von ADHS ist oft männlich geprägt

Wenn viele Menschen an ADHS denken, haben sie sofort ein bestimmtes Bild im Kopf: Ein Kind, das ständig herumzappelt, laut ist, andere unterbricht und im Unterricht nicht stillsitzen kann.

Dieses Bild gibt es tatsächlich. Aber es zeigt nur einen Teil der Wirklichkeit.

Lange Zeit wurde ADHS vor allem an Jungen erforscht. Deshalb orientierten sich viele Beschreibungen und Diagnosekriterien an den typischen Verhaltensweisen, die bei Jungen häufiger beobachtet wurden.

Frauen und Mädchen passen oft einfach nicht in dieses bekannte Bild.

Viele Mädchen fallen nicht auf

Manche Mädchen mit ADHS sind nicht besonders laut oder auffällig. Stattdessen wirken sie vielleicht:

  • verträumt
  • schüchtern
  • sensibel
  • vergesslich
  • unorganisiert
  • emotional schnell überfordert

Von außen sieht das oft nicht nach ADHS aus.

Manchmal werden diese Eigenschaften als Persönlichkeit wahrgenommen. Oder sie werden mit Stress, Unsicherheit oder mangelnder Konzentration erklärt. Das kann dazu führen, dass ADHS gar nicht erst in Betracht gezogen wird.

Frauen lernen häufig früh zu kompensieren

Viele Frauen berichten nach ihrer Diagnose, dass sie schon als Kinder versucht haben, ihre Schwierigkeiten zu verstecken.

Sie schreiben unzählige Listen. Sie kontrollieren alles mehrfach. Sie bemühen sich besonders stark, keine Fehler zu machen. Sie beobachten andere Menschen und versuchen herauszufinden, wie diese ihren Alltag organisieren.

Dieses bewusste oder unbewusste Anpassen wird oft als Masking bezeichnet.

Nach außen wirkt vieles organisiert. Innerlich kostet es jedoch häufig sehr viel Energie. Weil die Schwierigkeiten nicht sichtbar sind, erkennen weder das Umfeld noch die Betroffenen selbst, wie belastend der Alltag tatsächlich sein kann.

Gute Leistungen schließen ADHS nicht aus

Ein weiterer Grund für späte Diagnosen ist ein weit verbreitetes Missverständnis: Wer gute Noten hatte oder beruflich erfolgreich ist, kann kein ADHS haben.

Doch ADHS hat nichts mit Intelligenz zu tun.

Viele Frauen entwickeln Strategien, die ihnen helfen, Anforderungen zu bewältigen. Manche investieren deutlich mehr Zeit und Kraft als andere, um ähnliche Ergebnisse zu erreichen.

Von außen sieht man oft nur das Ergebnis. Nicht sichtbar sind die Erschöpfung, die Selbstzweifel oder die vielen Stunden, die hinter einer scheinbar einfachen Aufgabe stecken.

ADHS wird häufig mit anderen Problemen verwechselt

Viele Frauen suchen zunächst Hilfe wegen ganz anderer Beschwerden, zum Beispiel wegen:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Erschöpfung
  • Burnout-Symptomen
  • Schlafproblemen
  • chronischem Stress

Diese Schwierigkeiten können unabhängig von ADHS auftreten. Sie können aber auch damit zusammenhängen oder durch die dauerhafte Überforderung im Alltag verstärkt werden.

Wenn nur die sichtbaren Symptome behandelt werden, bleibt die eigentliche Ursache manchmal lange unerkannt.

Die Diagnose kommt oft in einer Umbruchphase

Nicht selten wird ADHS erst dann sichtbar, wenn bisherige Bewältigungsstrategien nicht mehr ausreichen. Das kann beispielsweise passieren:

  • nach der Geburt eines Kindes
  • während der Wechseljahre
  • durch berufliche Veränderungen
  • bei der Pflege von Angehörigen
  • nach einer Trennung
  • in besonders stressigen Lebensphasen

Plötzlich funktioniert das, was jahrelang irgendwie geklappt hat, nicht mehr wie gewohnt. Viele Frauen beginnen dann, nach Antworten zu suchen.

Die Diagnose kann vieles erklären – aber nicht alles

Für manche Frauen ist die Diagnose eine große Erleichterung. Plötzlich ergeben bestimmte Erfahrungen Sinn.

Warum Termine vergessen wurden. Warum Ordnung schwerfällt. Warum Aufgaben oft erst unter Zeitdruck erledigt werden. Warum das Gedankenkarussell nie stillsteht.

Gleichzeitig löst eine Diagnose nicht automatisch alle Probleme. Manche Frauen empfinden zunächst Trauer, Wut oder Unsicherheit. Andere spüren vor allem Erleichterung. Beides ist verständlich – jeder Mensch erlebt diesen Prozess anders. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch.

Was tun, wenn du ADHS bei dir vermutest?

Vielleicht hast du dich in einigen Punkten wiedererkannt. Das bedeutet nicht automatisch, dass du ADHS hast – viele der genannten Erfahrungen können auch andere Ursachen haben.

Trotzdem kann es hilfreich sein, genauer hinzuschauen, wenn du das Gefühl hast, dass dich diese Themen schon lange begleiten. Ein erster Schritt kann sein:

  • Erfahrungen aufzuschreiben
  • seriöse Informationen zu lesen
  • mit Fachpersonen zu sprechen
  • sich mit anderen Betroffenen auszutauschen

Eine Diagnose kann letztlich nur von entsprechend qualifizierten Fachpersonen gestellt werden.

Fazit

ADHS bei Frauen wird häufig spät erkannt, weil die Symptome oft weniger auffällig sind als viele Menschen erwarten. Hinzu kommen gesellschaftliche Erwartungen, erlernte Kompensationsstrategien und das lange Zeit männlich geprägte Bild von ADHS.

Deshalb erhalten viele Frauen ihre Diagnose erst im Erwachsenenalter. Für manche ist diese Erkenntnis zunächst überraschend. Für andere fühlt sie sich an wie das fehlende Puzzleteil, nach dem sie schon lange gesucht haben.

Und manchmal beginnt genau dort ein neues Verständnis für die eigene Geschichte.

Bis denndann

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Rund um ADHS gibt es viele Missverständnisse. Manche halten sich seit Jahrzehnten. Andere verbreiten sich über soziale Medien, Bekannte oder gut gemeinte Ratschläge.

Das Problem dabei: Mythen können dazu führen, dass Menschen sich selbst nicht ernst nehmen, keine Hilfe suchen oder lange nach den falschen Antworten suchen.

Besonders Frauen mit einer späten ADHS-Diagnose hören oft Sätze wie:

„Das hat doch jeder mal.“

„Du wirkst gar nicht wie jemand mit ADHS.“

„Du musst dich einfach besser organisieren.“

Wenn du solche Aussagen kennst, bist du nicht allein. Schauen wir uns einige der häufigsten ADHS-Mythen genauer an.

Mythos 1: ADHS haben nur Kinder

Dieser Mythos hält sich besonders hartnäckig.

Tatsächlich wird ADHS häufig bereits in der Kindheit sichtbar. Allerdings verschwindet ADHS nicht automatisch mit dem Erwachsenwerden.

Viele Erwachsene leben weiterhin mit den typischen Herausforderungen. Oft verändern sich die Symptome im Laufe des Lebens, sodass sie von außen weniger auffallen können.

Ein Kind, das ständig herumzappelt, wird vielleicht zu einer Erwachsenen, deren Gedanken nie zur Ruhe kommen.

ADHS kann Kinder, Jugendliche und Erwachsene betreffen.

Mythos 2: Nur hyperaktive Menschen haben ADHS

Wenn viele Menschen an ADHS denken, denken sie an körperliche Unruhe. Doch ADHS kann sich sehr unterschiedlich zeigen.

Manche Menschen sind äußerlich ruhig und wirken sogar zurückhaltend. Die Unruhe findet dann eher im Kopf statt:

  • ständig kreisende Gedanken
  • Schwierigkeiten abzuschalten
  • viele Ideen gleichzeitig
  • das Gefühl, nie wirklich zur Ruhe zu kommen

Deshalb erkennen viele Betroffene sich selbst lange nicht in den bekannten Klischees wieder.

Mythos 3: Frauen haben seltener ADHS

Früher entstand teilweise der Eindruck, ADHS sei vor allem ein Thema für Jungen und Männer.

Heute vermuten viele Fachleute, dass ADHS bei Mädchen und Frauen häufig übersehen wurde oder noch immer übersehen wird. Ein Grund könnte sein, dass Frauen ihre Schwierigkeiten oft anders zeigen oder stärker versuchen zu verbergen.

Deshalb bedeutet eine geringere Zahl an Diagnosen nicht automatisch, dass weniger Frauen betroffen sind.

Mythos 4: Wer gute Noten hatte, kann kein ADHS haben

Viele spät diagnostizierte Frauen kennen diesen Gedanken. Vielleicht warst du in der Schule sogar erfolgreich. Vielleicht hast du studiert oder einen anspruchsvollen Beruf. Und trotzdem kann ADHS eine Rolle spielen.

Gute Leistungen schließen ADHS nicht aus.

Manche Menschen entwickeln früh Strategien, um Schwierigkeiten auszugleichen. Andere investieren deutlich mehr Zeit, Energie und Kraft, als ihr Umfeld wahrnimmt.

Von außen sieht man oft nur das Ergebnis. Nicht den Weg dorthin.

Mythos 5: Menschen mit ADHS sind einfach faul

Dieser Mythos kann besonders verletzend sein.

Viele Betroffene erleben genau das Gegenteil. Sie möchten Aufgaben erledigen. Sie haben Ideen. Sie setzen sich Ziele. Und trotzdem gelingt die Umsetzung manchmal nicht so, wie sie es sich wünschen.

ADHS hat nichts mit Faulheit zu tun. Vielmehr kann es Schwierigkeiten bei Planung, Priorisierung, Motivation oder Aufgabenbeginn geben.

Wer das selbst erlebt, weiß oft, wie frustrierend das sein kann.

Mythos 6: Jeder hat heutzutage ein bisschen ADHS

Viele Eigenschaften, die mit ADHS verbunden werden, kennen auch Menschen ohne ADHS. Jeder vergisst einmal etwas. Jeder ist manchmal unkonzentriert. Jeder schiebt gelegentlich Aufgaben auf.

Der Unterschied liegt meist darin, wie stark diese Schwierigkeiten ausgeprägt sind und wie sehr sie den Alltag beeinflussen.

Deshalb reicht ein einzelnes Symptom nicht aus, um auf ADHS zu schließen. Eine Diagnose berücksichtigt viele verschiedene Aspekte und wird von entsprechend qualifizierten Fachpersonen gestellt.

Mythos 7: ADHS ist nur eine Ausrede

Manche Menschen befürchten, dass eine Diagnose als Entschuldigung für alles genutzt wird.

Doch die meisten Betroffenen wünschen sich keine Ausrede. Sie wünschen sich Verständnis.

Zu wissen, warum bestimmte Dinge schwerfallen, bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben. Es kann vielmehr helfen, passende Strategien zu entwickeln und die eigenen Herausforderungen realistischer einzuordnen.

Mythos 8: Mit genügend Disziplin verschwindet ADHS

Viele Menschen mit ADHS haben bereits unzählige Organisationssysteme ausprobiert: Kalender, Listen, Apps, Notizbücher, neue Routinen.

Und manchmal funktionieren diese Hilfen wunderbar – zumindest eine Zeit lang.

ADHS verschwindet jedoch nicht durch Willenskraft allein. Disziplin kann hilfreich sein, genauso wie passende Strategien, Unterstützung und ein besseres Verständnis der eigenen Bedürfnisse.

Doch wenn etwas nicht funktioniert, liegt das nicht automatisch an mangelnder Anstrengung.

Mythos 9: Alle Menschen mit ADHS sind gleich

ADHS ist keine Schablone. Jeder Mensch erlebt die Auswirkungen anders.

Manche kämpfen vor allem mit Organisation. Andere mit emotionaler Überforderung. Wieder andere mit Zeitmanagement, Konzentration oder innerer Unruhe.

Deshalb können sich zwei Menschen mit ADHS sehr ähnlich sein – oder völlig unterschiedlich.

Mythos 10: Eine ADHS-Diagnose erklärt alles

Eine Diagnose kann viele Fragen beantworten. Sie erklärt jedoch nicht automatisch jede Eigenschaft, jede Schwierigkeit oder jede Lebenserfahrung.

Menschen sind komplex. Persönlichkeit, Erfahrungen, Umfeld, Gesundheit und viele weitere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle.

Eine ADHS-Diagnose ist deshalb kein Etikett für einen ganzen Menschen. Sie kann aber ein wichtiger Schlüssel zum besseren Verständnis der eigenen Geschichte sein.

Warum sich diese Mythen so hartnäckig halten

ADHS ist von außen oft nicht sichtbar. Viele Herausforderungen spielen sich im Inneren ab. Gleichzeitig gibt es noch immer veraltete Vorstellungen darüber, wie ADHS aussehen "muss".

Je mehr Wissen über ADHS verbreitet wird, desto leichter fällt es Betroffenen, sich selbst ernst zu nehmen und passende Unterstützung zu finden.

Fazit

Rund um ADHS existieren zahlreiche Mythen. Manche wirken harmlos. Andere können dazu beitragen, dass Betroffene sich unverstanden fühlen oder jahrelang keine Antworten finden.

Deshalb lohnt es sich, bekannte Aussagen kritisch zu hinterfragen. Nicht alles, was oft wiederholt wird, ist automatisch richtig.

Und manchmal beginnt ein besseres Verständnis genau mit der Erkenntnis, dass man längst nicht alles glauben muss, was über ADHS erzählt wird.

Bis denndann

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Dieser Beitrag spiegelt meine persönlichen Erfahrungen und meine Meinung wider. Ich bin keine Psychiaterin oder Psychologin, nur Betroffene. Wenn du etwas Konstruktives dazu sagen möchtest, schreib mir gerne eine E-Mail an an@heike-siegmund.de oder hinterlasse einen Kommentar. Freundliche und konstruktive Kommentare sind immer willkommen.

Als ich meine Diagnose bekommen habe, wollte ich als Erstes wissen: Was ist das eigentlich genau, dieses ADHS? Ich habe gegoogelt, gelesen, wieder gegoogelt – und bin auf erstaunlich viele unterschiedliche Antworten gestoßen. Das hat mich zuerst verwirrt und dann ziemlich nachdenklich gemacht.

Wenn selbst Fachleute sich nicht einig sind

Es gibt tatsächlich immer noch unterschiedliche Auffassungen bei manchen Ärzten und Ärztinnen – ja, wirklich. Manche vertreten Ansichten wie: ADHS sei eine Erziehungsfrage. Oder: Nur Jungs hätten ADHS. Oder: Es gäbe nur den klassischen "Zappelphilipp". Oder: ADHS verwächst sich – man hätte es nur als Kind, und nach der Pubertät sei es einfach weg.

Das ist nicht nur fachlich überholt, es ist auch gefährlich. Denn wenn Menschen, die keine Ärzte sind, solche Aussagen für bare Münze nehmen, bilden sie sich eine Meinung auf Basis falscher Informationen. Und am Ende werden Menschen mit ADHS nicht ernst genommen – obwohl sie es so dringend verdienen.

Deshalb vorab eine klare Ansage: Nichts von dem oben Genannten trifft zu. ADHS ist keine Erziehungsfrage, kein reines Jungs-Thema und verschwindet nicht einfach mit der Pubertät.

Was sagen die offiziellen Quellen?

Schauen wir uns an, wie verschiedene Institutionen ADHS definieren:

Zur Einordnung: Psychisch ist quasi der Überbegriff. Psychiatrische Erkrankungen sind eine Untergruppe davon und meist deutlich schwerwiegender – etwa Psychosen oder Schizophrenie. Nach dieser Logik würde ich ADHS nicht in die Kategorie "psychiatrische Erkrankung" einordnen. Aber das ist meine Einschätzung als Betroffene, keine fachliche Aussage.

Weiter geht's:

  • kinderaerzte-im-netz.de nennt ADHS eine ernst zu nehmende, folgenschwere Erkrankung.
  • Die AOK beschreibt es als eine der häufigsten psychischen Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter.

Ganz ehrlich? Für mich persönlich ist ADHS keine rein psychische Erkrankung. Dazu gleich mehr.

Die Definitionen, die für mich am meisten Sinn ergeben

Jetzt kommen die Aussagen, die für mich am stimmigsten sind – und die vermutlich auch dem aktuellsten Forschungsstand entsprechen:

  • Wikipedia beschreibt ADHS als Störung der neuronalen Entwicklung.
  • adhs-deutschland.de spricht von einer Regulationsstörung im Frontalhirn auf genetischer Grundlage.
  • msdmanuals.com nennt es eine Störung der Hirnfunktion, die angeboren ist oder sich kurz nach der Geburt entwickelt.

Du siehst: ADHS ist komplex und noch lange nicht vollständig erforscht. Es gibt nicht die eine, allgemeingültige Definition – das macht es nicht einfacher, aber es erklärt, warum du im Internet so unterschiedliche Aussagen findest.

Was im Gehirn wirklich passiert

Fakt ist: Bei uns ADHSlern liegt eine Störung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn vor. Erstmal also nichts Psychisches, sondern etwas ganz Biologisches.

Wenn diese beiden Botenstoffe mit Abwesenheit glänzen, kann das zu erheblichen Beeinträchtigungen führen – psychisch wie körperlich. Sie sind nämlich zuständig für Antrieb, Motivation, Aufmerksamkeit und Stressreaktionen.

Und welche Symptome können daraus entstehen? Unter anderem:

  • Konzentrationsprobleme
  • Antriebslosigkeit
  • Chronische Unlust
  • Vergesslichkeit
  • Gedankenkreisen (Denkschleifen)
  • Schlafstörungen
  • Ängste
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Bewegungsunruhe

Das ist vermutlich noch nicht mal die vollständige Liste.

Die drei Gesichter von ADHS

Was in vielen Erklärungen zu kurz kommt: ADHS zeigt sich nicht bei allen gleich. Fachleute unterscheiden meist drei Erscheinungsformen:

  • Vorwiegend unaufmerksam – häufiger bei Frauen, oft unauffälliger nach außen. Tagträumereien, Vergesslichkeit, leichte Ablenkbarkeit. Kein Zappeln, dafür viel im Kopf.
  • Vorwiegend hyperaktiv-impulsiv – das klassische Bild vom "Zappelphilipp". Innere und äußere Unruhe, impulsives Handeln.
  • Kombinierter Typ – eine Mischung aus beidem.

Das ist vermutlich auch ein Grund, warum so viele Frauen erst spät diagnostiziert werden: Der unaufmerksame Typ fällt im Klassenzimmer oder im Job einfach weniger auf. Man gilt eher als "verträumt" oder "chaotisch" – nicht als auffällig.

Wenn noch eine Diagnose dazukommt

Bei der Menge an möglichen Symptomen wundert es mich nicht, dass viele Menschen mit ADHS zusätzlich eine weitere Diagnose erhalten. Bei mir ist es die Depression.

Wichtig dabei: Es gibt einen Unterschied zur Depression bei einem neurotypischen Menschen. Bei diesem hilft in der Regel die übliche Depressionsbehandlung. Ein Mensch mit ADHS braucht oft zusätzliche oder andere Unterstützung – denn häufig ist die Depression eine Folge des unbehandelten ADHS, nicht eine eigenständige Erkrankung.

Ähnlich sieht es bei Angststörungen aus: Eine reine Angsttherapie hilft oft nur bedingt, wenn das zugrunde liegende ADHS nicht mitbehandelt wird. Ich vermute, das gilt für die meisten Begleitdiagnosen.

Und was ist mit den Stärken?

Bei aller Symptomliste möchte ich eines nicht unter den Tisch fallen lassen: ADHS bringt auch Eigenschaften mit, die viele als echte Stärken erleben. Dazu können zum Beispiel Kreativität, Hyperfokus auf Themen, die wirklich interessieren, eine hohe Empathie oder eine ungewöhnliche Art, Probleme zu lösen, gehören. Wie stark sich das bei dir zeigt, ist – wie so vieles bei ADHS – individuell ganz unterschiedlich.

Mein Fazit, ganz vereinfacht

Mir raucht bei diesem Thema regelmäßig die Birne, aber ich versuche es trotzdem kurz zusammenzufassen:

ADHS ist eine Störung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn. Es liegt ein Mangel beziehungsweise ein Ungleichgewicht vor. Daraus resultieren verschiedene Symptome, die sich bei jedem Menschen unterschiedlich stark und unterschiedlich zeigen können.

So würde ich es zusammenfassen – ganz vereinfacht, versteht sich.

Hast du noch Gedanken oder eigene Erfahrungen zu diesem Thema? Ich freue mich über deinen Kommentar.

Bis denndann.

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Masking bei Frauen – Wenn niemand sieht, wie viel Kraft das Funktionieren kostet https://www.heike-siegmund.de/blog/masking-bei-frauen-mit-adhs/ https://www.heike-siegmund.de/blog/masking-bei-frauen-mit-adhs/#comments Fri, 08 Dec 2017 17:19:00 +0000 Masking ADHS ADHS Frauen verstecken ADHS Kompensation ADHS maskieren Masking Erschöpfung ADHS Perfektionismus Frauen ADHS unsichtbar Masking Diagnose Rund um ADHS https://www.heike-siegmund.de/blog/masking-bei-frauen-mit-adhs/ Weiterlesen

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Dieser Beitrag spiegelt meine persönlichen Erfahrungen und meine Meinung wider. Ich bin keine Psychiaterin oder Psychologin, nur Betroffene. Wenn du etwas Konstruktives dazu sagen möchtest, schreib mir gerne eine E-Mail an an@heike-siegmund.de oder hinterlasse einen Kommentar. Freundliche und konstruktive Kommentare sind immer willkommen.

„Aber das merkt man dir doch gar nicht an."

Viele Frauen mit einer späten ADHS-Diagnose haben diesen Satz schon gehört. Manche sogar mehrfach.

Für Außenstehende wirken sie organisiert, zuverlässig und freundlich. Sie erscheinen kompetent im Beruf, kümmern sich um Familie, Haushalt und Termine und scheinen ihren Alltag gut im Griff zu haben.

Doch hinter dieser Fassade steckt oft etwas, das viele Jahre unbemerkt bleibt: Masking.

Masking kann ein wichtiger Grund dafür sein, warum ADHS bei Frauen häufig erst spät erkannt wird.

Was bedeutet Masking?

Mit Masking ist gemeint, dass Menschen bewusst oder unbewusst versuchen, Schwierigkeiten zu verbergen und sich an die Erwartungen ihres Umfelds anzupassen.

Dabei geht es nicht darum, andere Menschen zu täuschen. Vielmehr entwickeln Betroffene Strategien, um möglichst nicht aufzufallen, dazuzugehören oder Kritik zu vermeiden.

Viele Frauen beginnen bereits in der Kindheit damit – oft, ohne zu wissen, dass sie es tun.

Wie kann Masking im Alltag aussehen?

Masking kann sehr unterschiedlich aussehen. Manche Frauen kontrollieren Termine mehrfach, weil sie Angst haben, etwas zu vergessen. Andere erscheinen überpünktlich, weil sie ihrem eigenen Zeitgefühl nicht vertrauen. Wieder andere beobachten ihr Umfeld genau und übernehmen Verhaltensweisen, die bei anderen scheinbar gut funktionieren.

Typische Beispiele können sein:

  • ständig Listen schreiben
  • Erinnerungen mehrfach absichern
  • Aufgaben übermäßig kontrollieren
  • sich besonders stark auf Gespräche vorbereiten
  • emotionale Reaktionen unterdrücken
  • Schwierigkeiten nicht ansprechen
  • sich nach außen organisierter zeigen, als man sich innerlich fühlt
  • permanent versuchen, keine Fehler zu machen

Von außen wirken diese Verhaltensweisen oft positiv. Die dahinterliegende Anstrengung bleibt jedoch meist unsichtbar.

Warum maskieren besonders viele Frauen?

Es gibt darauf keine einfache Antwort. Viele Fachleute vermuten, dass gesellschaftliche Erwartungen eine wichtige Rolle spielen könnten.

Mädchen lernen oft früh, freundlich, angepasst, hilfsbereit und organisiert zu sein. Wer Schwierigkeiten hat, diesen Erwartungen zu entsprechen, versucht möglicherweise besonders intensiv, sie dennoch zu erfüllen.

Hinzu kommt, dass Mädchen mit ADHS häufig weniger auffallen als Jungen. Anstatt laut oder impulsiv zu wirken, kämpfen viele eher mit innerer Unruhe, Vergesslichkeit oder Überforderung. Diese Schwierigkeiten werden oft nicht als mögliche ADHS-Anzeichen erkannt.

Deshalb entwickeln manche Frauen Strategien, um ihre Herausforderungen möglichst gut zu verstecken.

Wenn Funktionieren zur Daueraufgabe wird

Masking kann kurzfristig hilfreich sein. Es kann dabei unterstützen, den Alltag zu bewältigen oder unangenehme Situationen zu vermeiden.

Langfristig berichten viele Frauen jedoch von einem hohen Preis. Denn ständiges Anpassen kostet Energie. Sehr viel Energie.

Viele beschreiben:

  • dauerhafte Erschöpfung
  • das Gefühl, ständig eine Rolle zu spielen
  • Angst vor Fehlern
  • Perfektionismus
  • Selbstzweifel
  • das Gefühl, nie wirklich sie selbst sein zu können

Nach außen scheint alles zu funktionieren. Innerlich wächst oft der Druck.

Warum Masking die Diagnose erschweren kann

Viele Diagnoseverfahren berücksichtigen nicht nur aktuelle Schwierigkeiten, sondern auch die Lebensgeschichte einer Person. Wenn Betroffene ihre Probleme jahrzehntelang erfolgreich versteckt haben, wird es komplizierter.

Manche Frauen hören deshalb Sätze wie:

„Sie haben doch Schule, Ausbildung oder Beruf geschafft."

„Sie wirken sehr organisiert."

„Sie kommen pünktlich zu Ihren Terminen."

Das stimmt häufig sogar. Was dabei jedoch leicht übersehen wird: wie viel Kraft dafür notwendig war.

Eine Frau kann äußerlich erfolgreich sein und gleichzeitig jeden Tag mit ADHS-bedingten Herausforderungen kämpfen. Beides schließt sich nicht aus.

Die späte Erkenntnis: Ich habe die ganze Zeit kompensiert

Viele Frauen berichten nach ihrer Diagnose von einem besonderen Moment. Plötzlich erkennen sie, dass vieles, was sie für ihre Persönlichkeit gehalten haben, möglicherweise Strategien waren.

Die ständigen Listen. Die übertriebene Kontrolle. Der Perfektionismus. Die Angst, etwas zu vergessen.

Das bedeutet nicht, dass diese Eigenschaften „nicht echt" sind. Aber manche Frauen stellen fest, dass sie viele Verhaltensweisen entwickelt haben, um Schwierigkeiten auszugleichen, die lange unerkannt geblieben sind.

Muss man mit dem Masking aufhören?

Nicht unbedingt. Manche Strategien sind hilfreich und erleichtern den Alltag. Eine To-do-Liste ist schließlich nicht automatisch etwas Schlechtes.

Die entscheidende Frage lautet eher: Hilft mir diese Strategie – oder belastet sie mich?

Wenn eine Gewohnheit ständig Stress verursacht, kann es sinnvoll sein, nach anderen Wegen zu suchen.

Viele Frauen berichten, dass sie nach ihrer Diagnose beginnen, freundlicher mit sich selbst umzugehen. Sie müssen nicht mehr ständig beweisen, dass sie alles im Griff haben. Sie dürfen Unterstützung annehmen. Sie dürfen Fehler machen. Und sie dürfen ihre Energie bewusster einsetzen.

Sich selbst neu kennenlernen

Eine späte ADHS-Diagnose führt oft zu vielen Fragen.

Wer bin ich eigentlich? Welche Eigenschaften gehören wirklich zu mir? Welche Verhaltensweisen habe ich entwickelt, um dazuzugehören?

Auf diese Fragen gibt es keine schnellen Antworten. Und das ist völlig in Ordnung.

Viele Frauen beschreiben diesen Prozess als eine Art Neu-Kennenlernen der eigenen Person. Nicht alles muss sofort verstanden oder verändert werden. Manchmal reicht es zunächst, neugierig hinzuschauen.

Fazit

Masking kann ein wichtiger Grund dafür sein, warum ADHS bei Frauen häufig lange unerkannt bleibt.

Viele Betroffene lernen früh, ihre Schwierigkeiten zu verbergen und sich an die Erwartungen ihres Umfelds anzupassen. Dadurch wirken sie oft organisiert, leistungsfähig und unauffällig, obwohl sie innerlich viel Energie für das tägliche Funktionieren aufbringen.

Masking ist keine Schwäche. Es ist häufig eine Strategie, die über viele Jahre geholfen hat.

Gleichzeitig kann es entlastend sein, zu erkennen, wie viel Kraft diese Anpassung kostet – und dass man nicht immer perfekt funktionieren muss, um wertvoll zu sein.

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