

Viele Frauen mit ADHS berichten, dass sich ihre Symptome in den Wechseljahren verändern.
Manche beschreiben das Gefühl, als würden plötzlich alle Strategien versagen, die jahrelang irgendwie funktioniert haben.
Listen helfen nicht mehr. Termine werden häufiger vergessen. Die Konzentration fühlt sich an, als wäre sie einfach verschwunden. Aufgaben, die früher machbar waren, wirken plötzlich riesig.
Nicht wenige Frauen beginnen genau in dieser Lebensphase zum ersten Mal zu vermuten, dass hinter ihren Schwierigkeiten mehr steckt als Stress, Überlastung oder das Älterwerden.
Doch gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen ADHS und den Wechseljahren?
Die kurze Antwort lautet: wahrscheinlich ja.
Die genauen Zusammenhänge werden weiterhin erforscht, aber viele Fachleute gehen davon aus, dass hormonelle Veränderungen eine wichtige Rolle spielen können.
ADHS wird mit Veränderungen in bestimmten Botenstoffsystemen des Gehirns in Verbindung gebracht, insbesondere mit Dopamin und Noradrenalin. Gleichzeitig beeinflussen Hormone wie Östrogen verschiedene Prozesse im Gehirn.
Während der Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel nicht gleichmäßig, sondern verändert sich teilweise stark.
Einige Forschende vermuten, dass diese hormonellen Veränderungen bestehende ADHS-Symptome verstärken oder sichtbarer machen können. Es gibt Hinweise darauf, dass Schwankungen des Östrogenspiegels Auswirkungen auf Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Stimmung und die sogenannte exekutive Funktion haben können.
Die Forschung entwickelt sich weiterhin, weshalb noch nicht alle Zusammenhänge vollständig geklärt sind.
Viele Frauen mit ADHS haben ihr ganzes Leben lang Strategien entwickelt, um ihren Alltag zu bewältigen.
Sie schreiben Listen. Sie planen voraus. Sie kontrollieren alles mehrfach. Sie investieren oft enorme Energie in Organisation und Anpassung.
Das funktioniert manchmal über Jahrzehnte erstaunlich gut. Doch die Wechseljahre bringen oft zusätzliche Herausforderungen mit sich. Viele Frauen erleben gleichzeitig:
Dadurch können bisherige Bewältigungsstrategien an ihre Grenzen kommen. Nicht selten beginnt genau dann die Suche nach einer Erklärung.
Jede Frau erlebt die Wechseljahre anders. Und jede Frau mit ADHS erlebt ADHS anders. Trotzdem tauchen bestimmte Erfahrungen immer wieder auf.
Das Lesen eines Textes wird anstrengender. Gespräche können schwerer verfolgt werden. Gedanken springen häufiger von Thema zu Thema.
Wo liegt der Schlüssel? Warum bin ich gerade in diesen Raum gegangen? Welchen Termin hatte ich heute?
Solche Momente kennt fast jeder Mensch. Manche Frauen berichten jedoch, dass diese Schwierigkeiten während der Wechseljahre deutlich zunehmen.
Viele beschreiben das Gefühl, ständig überfordert zu sein. Selbst einfache Aufgaben können plötzlich viel Energie kosten.
Frustration, Reizbarkeit oder das Gefühl, schneller überfordert zu sein, werden ebenfalls häufig genannt.
Dabei kann es schwierig sein zu unterscheiden, welcher Anteil auf ADHS, auf hormonelle Veränderungen oder auf andere Belastungen zurückzuführen ist.
Genau diese Frage stellen sich viele Frauen. Leider gibt es darauf keine einfache Antwort, denn einige Beschwerden überschneiden sich.
Sowohl ADHS als auch hormonelle Veränderungen können beispielsweise mit folgenden Schwierigkeiten verbunden sein:
Deshalb kann eine professionelle Abklärung sinnvoll sein, insbesondere wenn die Schwierigkeiten schon seit der Kindheit oder Jugend bestehen oder rückblickend schon lange zum Leben gehören.
Für manche Frauen fühlt sich eine ADHS-Diagnose in den Wechseljahren an wie ein fehlendes Puzzleteil.
Plötzlich ergeben viele Erfahrungen Sinn. Warum Organisation immer so viel Kraft gekostet hat. Warum Zeitmanagement schwierig war. Warum Erschöpfung ein ständiger Begleiter war. Warum man sich oft anders fühlte als andere Menschen.
Viele berichten, dass sie dadurch nicht nur ihre Gegenwart, sondern auch ihre Vergangenheit mit neuen Augen betrachten.
Es gibt keine Lösung, die für alle Frauen funktioniert. Dennoch berichten viele Betroffene, dass folgende Dinge hilfreich sein können:
Wichtig dabei: Was einer Person hilft, muss nicht automatisch für eine andere funktionieren.
Viele Frauen erleben einen Moment, in dem sie anfangen, an sich selbst zu zweifeln.
Warum fällt mir plötzlich alles schwerer? Warum schaffe ich nicht mehr das, was früher ging? Warum bin ich so erschöpft?
Diese Fragen sind verständlich. Und sie verdienen eine ernsthafte Betrachtung.
Auch wenn noch nicht alle Zusammenhänge zwischen ADHS und den Wechseljahren vollständig erforscht sind, berichten viele Frauen von ähnlichen Erfahrungen. Allein dieses Wissen kann manchmal schon entlastend sein.
Die Wechseljahre können für Frauen mit ADHS eine besonders herausfordernde Lebensphase sein. Hormonelle Veränderungen scheinen bei vielen Betroffenen Einfluss auf Aufmerksamkeit, Organisation, Gedächtnis und emotionale Belastbarkeit zu haben.
Gleichzeitig werden in dieser Zeit häufig Schwierigkeiten sichtbar, die vielleicht schon viele Jahre vorhanden waren.
Nicht jede Frau mit ADHS erlebt die Wechseljahre gleich. Und nicht jede Frau in den Wechseljahren hat ADHS.
Wenn du jedoch das Gefühl hast, dass deine bisherigen Strategien plötzlich nicht mehr funktionieren und du dich in vielen ADHS-Beschreibungen wiedererkennst, kann es sinnvoll sein, diesem Eindruck nachzugehen.
Manchmal beginnt ein neues Verständnis für das eigene Leben genau dort, wo man aufhört, alles allein mit mangelnder Disziplin oder persönlichem Versagen zu erklären.
Bis denndann

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