

Dieser Beitrag spiegelt meine persönlichen Erfahrungen und meine Meinung wider. Ich bin keine Psychiaterin oder Psychologin, nur Betroffene. Wenn du etwas Konstruktives dazu sagen möchtest, schreib mir gerne eine E-Mail an an@heike-siegmund.de oder hinterlasse einen Kommentar. Freundliche und konstruktive Kommentare sind immer willkommen.
Rund um ADHS gibt es viele Missverständnisse. Manche halten sich seit Jahrzehnten. Andere verbreiten sich über soziale Medien, Bekannte oder gut gemeinte Ratschläge.
Das Problem dabei: Mythen können dazu führen, dass Menschen sich selbst nicht ernst nehmen, keine Hilfe suchen oder lange nach den falschen Antworten suchen.
Besonders Frauen mit einer späten ADHS-Diagnose hören oft Sätze wie:
„Das hat doch jeder mal.“
„Du wirkst gar nicht wie jemand mit ADHS.“
„Du musst dich einfach besser organisieren.“
Wenn du solche Aussagen kennst, bist du nicht allein. Schauen wir uns einige der häufigsten ADHS-Mythen genauer an.
Dieser Mythos hält sich besonders hartnäckig.
Tatsächlich wird ADHS häufig bereits in der Kindheit sichtbar. Allerdings verschwindet ADHS nicht automatisch mit dem Erwachsenwerden.
Viele Erwachsene leben weiterhin mit den typischen Herausforderungen. Oft verändern sich die Symptome im Laufe des Lebens, sodass sie von außen weniger auffallen können.
Ein Kind, das ständig herumzappelt, wird vielleicht zu einer Erwachsenen, deren Gedanken nie zur Ruhe kommen.
ADHS kann Kinder, Jugendliche und Erwachsene betreffen.
Wenn viele Menschen an ADHS denken, denken sie an körperliche Unruhe. Doch ADHS kann sich sehr unterschiedlich zeigen.
Manche Menschen sind äußerlich ruhig und wirken sogar zurückhaltend. Die Unruhe findet dann eher im Kopf statt:
Deshalb erkennen viele Betroffene sich selbst lange nicht in den bekannten Klischees wieder.
Früher entstand teilweise der Eindruck, ADHS sei vor allem ein Thema für Jungen und Männer.
Heute vermuten viele Fachleute, dass ADHS bei Mädchen und Frauen häufig übersehen wurde oder noch immer übersehen wird. Ein Grund könnte sein, dass Frauen ihre Schwierigkeiten oft anders zeigen oder stärker versuchen zu verbergen.
Deshalb bedeutet eine geringere Zahl an Diagnosen nicht automatisch, dass weniger Frauen betroffen sind.
Viele spät diagnostizierte Frauen kennen diesen Gedanken. Vielleicht warst du in der Schule sogar erfolgreich. Vielleicht hast du studiert oder einen anspruchsvollen Beruf. Und trotzdem kann ADHS eine Rolle spielen.
Gute Leistungen schließen ADHS nicht aus.
Manche Menschen entwickeln früh Strategien, um Schwierigkeiten auszugleichen. Andere investieren deutlich mehr Zeit, Energie und Kraft, als ihr Umfeld wahrnimmt.
Von außen sieht man oft nur das Ergebnis. Nicht den Weg dorthin.
Dieser Mythos kann besonders verletzend sein.
Viele Betroffene erleben genau das Gegenteil. Sie möchten Aufgaben erledigen. Sie haben Ideen. Sie setzen sich Ziele. Und trotzdem gelingt die Umsetzung manchmal nicht so, wie sie es sich wünschen.
ADHS hat nichts mit Faulheit zu tun. Vielmehr kann es Schwierigkeiten bei Planung, Priorisierung, Motivation oder Aufgabenbeginn geben.
Wer das selbst erlebt, weiß oft, wie frustrierend das sein kann.
Viele Eigenschaften, die mit ADHS verbunden werden, kennen auch Menschen ohne ADHS. Jeder vergisst einmal etwas. Jeder ist manchmal unkonzentriert. Jeder schiebt gelegentlich Aufgaben auf.
Der Unterschied liegt meist darin, wie stark diese Schwierigkeiten ausgeprägt sind und wie sehr sie den Alltag beeinflussen.
Deshalb reicht ein einzelnes Symptom nicht aus, um auf ADHS zu schließen. Eine Diagnose berücksichtigt viele verschiedene Aspekte und wird von entsprechend qualifizierten Fachpersonen gestellt.
Manche Menschen befürchten, dass eine Diagnose als Entschuldigung für alles genutzt wird.
Doch die meisten Betroffenen wünschen sich keine Ausrede. Sie wünschen sich Verständnis.
Zu wissen, warum bestimmte Dinge schwerfallen, bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben. Es kann vielmehr helfen, passende Strategien zu entwickeln und die eigenen Herausforderungen realistischer einzuordnen.
Viele Menschen mit ADHS haben bereits unzählige Organisationssysteme ausprobiert: Kalender, Listen, Apps, Notizbücher, neue Routinen.
Und manchmal funktionieren diese Hilfen wunderbar – zumindest eine Zeit lang.
ADHS verschwindet jedoch nicht durch Willenskraft allein. Disziplin kann hilfreich sein, genauso wie passende Strategien, Unterstützung und ein besseres Verständnis der eigenen Bedürfnisse.
Doch wenn etwas nicht funktioniert, liegt das nicht automatisch an mangelnder Anstrengung.
ADHS ist keine Schablone. Jeder Mensch erlebt die Auswirkungen anders.
Manche kämpfen vor allem mit Organisation. Andere mit emotionaler Überforderung. Wieder andere mit Zeitmanagement, Konzentration oder innerer Unruhe.
Deshalb können sich zwei Menschen mit ADHS sehr ähnlich sein – oder völlig unterschiedlich.
Eine Diagnose kann viele Fragen beantworten. Sie erklärt jedoch nicht automatisch jede Eigenschaft, jede Schwierigkeit oder jede Lebenserfahrung.
Menschen sind komplex. Persönlichkeit, Erfahrungen, Umfeld, Gesundheit und viele weitere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle.
Eine ADHS-Diagnose ist deshalb kein Etikett für einen ganzen Menschen. Sie kann aber ein wichtiger Schlüssel zum besseren Verständnis der eigenen Geschichte sein.
ADHS ist von außen oft nicht sichtbar. Viele Herausforderungen spielen sich im Inneren ab. Gleichzeitig gibt es noch immer veraltete Vorstellungen darüber, wie ADHS aussehen "muss".
Je mehr Wissen über ADHS verbreitet wird, desto leichter fällt es Betroffenen, sich selbst ernst zu nehmen und passende Unterstützung zu finden.
Rund um ADHS existieren zahlreiche Mythen. Manche wirken harmlos. Andere können dazu beitragen, dass Betroffene sich unverstanden fühlen oder jahrelang keine Antworten finden.
Deshalb lohnt es sich, bekannte Aussagen kritisch zu hinterfragen. Nicht alles, was oft wiederholt wird, ist automatisch richtig.
Und manchmal beginnt ein besseres Verständnis genau mit der Erkenntnis, dass man längst nicht alles glauben muss, was über ADHS erzählt wird.
Bis denndann

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