Dein Navi bei spät diagnostiziertem ADHS.

Moin, ich bin Heike
Betriebssystem ADHS (C) mit dem Upgrade Depression, Version mittelschwer, auf der Suche nach der richtigen Software.

Stell dir vor: dein Hirn ist mit einem neurodivergentem System ausgestattet und du willst es verstehen und besser damit umgehen oder du kennst jemanden und möchtest ihn besser verstehen.

Dann speichere dir jetzt ein Lesezeichen (Beschreibung: Betriebssystem ADHS, bester Blog 😉) von dieser Seite ab, damit du sie auch später schnell wiederfindest.

Ich habe die Diagnose tatsächlich erst mit 53 Jahren bekommen. Jetzt denkst du vielleicht „wieso so spät“ und „was bringt dir das“?

So spät, weil es keiner vorher gemerkt hat. Ich ja selber nicht. Von klein auf habe ich perfekt maskiert, mich so angepasst, dass es keiner Sau aufgefallen ist. Ereignisse, die mich hätten verraten können, haben meist nicht doppelt stattgefunden bzw. bei der nächsten ähnlich Situation habe ich angepasst reagiert.

zwei Diagnosen

ADHS & Depression

eine Bubble

bekennende Apple-Userin

1.000.000+

Ideen

alles auf Autopilot

Leben vereinfachen

Kleines Beispiel für meine nicht vorhandenen Impulskontrolle:

Es muss in der Kindergartenzeit gewesen sein. Mein Geburtstag. Eine Freundin setzte sich auf MEINEN Stuhl und wollte da nicht mehr runter. Da ich noch den Kochlöffel vom Topfschlagen in der Hand hielt, habe ich ihn kurzerhand über ihren Schädel gehauen, er zerbrach sogar. Waas? Sie saß auf MEINEM Stuhl und wollte da nicht weg. Es war doch mein Geburtstag, ich fühlte mich halt ungerecht behandelt. Da war dann meine Impulskontrolle kurz eskaliert. Leider war meine Geburtstagsfeier damit auch beendet. Doof.

Nun ja, sowas vermied (maskierte) ich dann zukünftig.

Grundschulzeit war unauffällig. Oder?

Tatsächlich hätte bei mir in der zweiten Klasse eigentlich mal einer stutzig werden können. Es ist ja so, dass ADHS Gehirne viel mehr Informationen verarbeiten müssen, weil der natürliche Filter fehlt. Deshalb kommt es gelegentlich oder auch öfters vor, dass ADHSler länger zum Verstehen benötigen. 

Salopp gesagt, sie stehen gerne mal auf der Leitung. 

So war es bei mir in Mathe. Ich kann mich erinnern, dass alle Erwachsenen um mich herum total verzweifelt waren, weil ich anscheinend gar nichts in Mathe kapiert habe. Ich selber weiß nicht, ob ich das überhaupt schlimm fand. Jedenfalls löste sich irgendwie ganz plötzlich, wirklich von heute auf morgen, der Knoten und von da an hatte ich eigentlich immer ne zwei auf dem Zeugnis (paar Ausnahmen gab es noch).

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ADHS-C, ein Mix aus zwei Varianten

Ich habe die C-Variante, also den Mix aus hyperaktiver und unaufmerksamen Version. Ganz schwach kann ich mich erinnern, dass ich schon immer eine Tagträumerin war. Aber auch daran, wie mir immer wieder gesagt wurde ich soll mal leiser sein. Das hat sich so in mein Hirn gebrannt, weshalb ich vermutlich deshalb heute oft viel zu leise rede. Wobei ich auch heute noch manchmal daraufhin gewiesen werde, bitte nicht so laut zu reden.

Die Hyperaktivität hat sich äußerlich auf verschiedenste Art und Weisen gezeigt. Da es damals sehr schwer war in die Ballett und Kunstturnen Gruppen bei uns reinzukommen, habe ich mir das alles selber beigebracht.

Dann war ich eine Weile beim Judo, sogar mit erfolgreicher Prüfung für den gelben Gürtel. Beim Jazzdance war ich nur ein paar Monate. Trampolin habe ich so richtig mit Wettkämpfen gemacht und bin auch paarmal auf dem Treppchen gewesen (mein Rücken fand das doof, deswegen musste ich aufhören).

Nun ja, Gummitwist und Hula Hoop beherrschte ich ziemlich gut. Hula Hoop heute noch, nur jetzt mit Sportreifen.

Natürlich war ich auch allgemein schon immer hibbelig. Allerdings findet das Hibbelige vermehrt in meinem Kopf statt (da ist ständig ne wilde Party!) und äußerlich sind es meistens nur Mikrobewegungen (Zehen wackeln), aber es gibt auch mal den Hinweis ich möge bitte nicht so wackeln (fällt mir immer erst bei Ansprache auf, ups).

Wilde Kopfpartys

Die wilden Kopfpartys sind auch oft der Grund für die ADHS-Paralysen. Dann schmiedet mein Gehirn komplexe Pläne was, wie, wann, weshalb bestimmte Dinge wichtig sind. Ich glaube ich habe schon im zweistelligen Bereich Businessideen komplett fertig geplant. Halt nur in meinem Kopf. Aufs Papier geschweige denn eine Umsetzung fand leider nicht wirklich statt. 

Auch den Haushalt macht mein Gehirn oft erstmal komplett mit sich selber aus. Da gelingt mir zum Glück häufiger die tatsächliche Umsetzung. Gibt allerdings Phasen, da läuft gar nichts. Ich sitze dann nur auf dem Sofa und starre in die Luft und mein Hirn fühlt sich an, als würde es jeden Moment explodieren. Dann suche ich Erleichterung durchs Handy (schlechteste Idee, die es gibt) oder durch lesen von Büchern (viel besser!).

Was bringt mir denn so ne späte Diagnose?

Da war ja noch die Frage was bringt mir die Diagnose nun?

Ganz klar Erleichterung. Stell dir vor du denkst jahrelang, dass du komisch oder sogar falsch bist. Und plötzlich gibt es dafür eine Erklärung. Dass es dann direkt einfacher wird, ist leider nicht so, aber du weißt jetzt woran du wirklich arbeiten kannst und welche Hilfen es gibt.

Der Grund für diesen Blog

Und da bin ich auch schon bei dem Grund, weshalb ich diesen Blog überhaupt schreibe. Die Hilfe und das an mir arbeiten. Denn, ich habe immer noch keinen Arzt bzw. Therapieplatz bekommen und muss mir selber helfen. Und damit du und alle anderen, die gerade auf sich selbst gestellt sind, nicht so alleine sind, teile ich hier alles, was mir hilft, was mir nicht hilft (vielleicht hilft dir das aber) und alles was den ADHS-Alltag einfacher macht.

An dieser Stelle ein kleiner Hinweis-Link.

Beruf mit ADHS

Okay, zurück zu mir. Was interessiert dich wohl?

Beruf? Das ist ja auch so ne Sache, bei ADHSlern. Wir können uns nicht entscheiden. Alles ist so spannend. Bei mir ging es erstmal in die Druckindustrie. Druckformherstellerin, aber schon während der Ausbildung merkte ich, das ist nicht der Beruf für immer. Zum Glück war ich in einer kleinen Druckerei mit Verlag. Da habe ich auch alle anderen Berufe kennengelernt und musste überall aushelfen. Perfekt für ein ADHS-Gehirn.

Der Beruf Druckformhersteller war damals schon kurz vorm aussterben. Die ersten Computer zogen in die Druckereien (ja, ich habe Fotos noch mit Pinsel und Skalpell retuschiert) und neue Berufe entstanden. Also habe ich umgesattelt auf DTP-Operator, der heutige Mediengestalter. Mit dieser Berufskombi war es wirklich einfach einen neuen Job zu bekommen. Was soll ich sagen, obwohl dieser Beruf schon an sich sehr abwechslungsreich ist, musste ich noch nebenher was machen. Ein Abendstudium zur Kommunikationswirtin komplettierte meine bisherige Berufskombi perfekt (gab dann sogar unaufgefordert eine Gehaltserhöhung).

Trotzdem wurde es irgendwann langweilig und ich suchte nach einer neuen Stelle (immerhin neun Jahre bei einem Arbeitgeber). Da blieb ich dann allerdings nicht so lange, weil ich schwanger wurde (hatte nur einen Zeitvertrag).

ADHS-Mama

Als ich dann Mama war, zog das erste Mal, seit meiner Teenie Zeit, so richtig das Chaos ein. Mich wurmte das so was von, aber alle sagten es sei normal. Irgendwie habe ich mich da nach und nach wieder eingegrooft, aber nie richtig. 

Dann laß ich das Buch von Barbara Sher „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“. Darin wurde die Scannerpersönlichkeit beschrieben, ich dachte das passt wie Arsch auf Eimer zu mir. Also bin ich ein Scanner, glaubte ich ein paar Jahre und laß immer mehr dazu. Nur irgendwie passten die Tipps für die Umsetzung so gar nicht zu mir. Nichts klappte dauerhaft.

ADHS in den Wechseljahren

Tja, und dann kamen die Wechseljahre. Und ich sag mal so, der Leidensdruck war nicht mehr auszuhalten. Bei meiner Suche danach, was mir helfen kann aus meinem Kopf-Chaos heraus, stieß ich immer wieder auf ADHS. Als ich dann herausfand, dass Barbara Sher eine ADHS Diagnose hatte, habe ich angefangen mich richtig damit auseinanderzusetzen.

Langer Weg zur Diagnose

Es dauerte dann ungefähr ein Jahr, vielleicht auch länger, bis ich mich dann durchgerungen hatte eine Diagnostik machen zu lassen. Und nochmals fast ein Jahr bis zum Termin für die Diagnostik. Den bekam ich auch nur so „schnell“, weil ich in einer Privatpraxis einen freien Platz ergattern konnte.

Die ADHS Diagnose hat mich nach über einem Jahr Recherche nicht überrascht, aber die mittelschwere Depression. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber auch die erklärt so einiges.

Nun gut, wenn du noch mehr wissen willst und es auf dem Blog nicht findest, dann schreib mir einfach eine E-Mail.

Ich freue mich auf einen regen Austausch und hoffe dir mit meinen Erfahrungen, Tipps, Tricks, Hinweise und Empfehlungen zu helfen.

Bis denndann

Heike

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